Bild: Illustration der Verbindung von Nervenzellen 
Neue Kontakte zwischen Nerven-
zellen entsteht innerhalb von
Minuten;© MPI für Neurobiologie

Wissenschaftler des Max-Planck- Instituts für Neurobiologie konnten erstmals zeigen, dass Nervenzellen zwar nach einer Anregung innerhalb von wenigen Minuten gezielt Verbindungen zu ihren Nachbarzellen aufbauen. Die Übertragung von Informationen über diese Verbindungen ist jedoch erst nach mehreren Stunden möglich.

Die Wissenschaftler untersuchten den Zusammenhang zwischen dem Auswachsen der Zellverbindungen, den sogenannten Dornen, und dem Entstehen der funktionsfähigen Informationsübertragungsstellen, den Synapsen. Die beobachteten Veränderungen und deren Dynamik überraschten die Wissenschaftler.

Innerhalb von wenigen Minuten nach dem Stromimpuls beginnen die angeregten Nervenzellen neue Fortsätze zu bilden. Diese zunächst noch dünnen Dornen wachsen nicht zufällig, sondern ganz gezielt auf mögliche Kontaktpartner zu. Doch innerhalb der ersten acht Stunden können noch über keinen dieser neu entstandenen Zellkontakte Informationen ausgetauscht werden. Erst in den darauf folgenden Stunden entscheidet sich, ob eine Verbindung bestehen bleibt oder sich zurückbildet. Die Kontakte, die auch nach 24 Stunden noch vorhanden sind, besitzen voll funktionsfähige Synapsen zur Informationsübertragung und haben eine gute Chance, auch nach mehreren Tagen noch zu existieren.

Die Wissenschaftler konnten noch etwas Weiteres beobachten: Wenn ein neu auswachsender Dorn an eine Kontaktstelle andockte, die bereits eine andere Verbindung eingegangen war, so war die Wahrscheinlichkeit recht hoch, dass die neue Verbindung die alte verdrängte. "Wir wissen noch nicht genau, was dies bedeutet" sagt Valentin Nägerl vom Max- Planck-Institut für Neurobiologie, "doch diese Beobachtung könnte zum Beispiel damit zusammenhängen, dass man alte Dinge vergisst, wenn Neues gelernt wird."

MEDICA.de; Quelle: Max-Planck-Institut für Neurobiologie