Gefäßneubildung über das Immunsystem unterbinden

Den entscheidenden Hebel dazu wollen die Wissenschaftler mit dem sogenannten Komplementsystem ansetzten – einem Teil der angeborenen Immunabwehr.

Die Proteine dieser Signalkette unterstützen den Körper in erster Linie im Kampf gegen Infektionen. Sie scheinen in diesem Zusammenhang aber auch Einfluss auf die Gefäßneubildung zu nehmen.

„Wir halten es für sehr wahrscheinlich, dass die Hemmung des Gefäßwachstums und damit eine verminderte Versorgung des Tumors mit Nährstoffen und Sauerstoff dazu führt, dass der Tumor deutlich langsamer wächst. Erste Vorarbeiten unserer Arbeitsgruppe dazu haben bereits viel versprechende Ergebnisse gezeigt“, beschreibt Doktor Harald Langer die Motivation zu seinem Forschungsvorhaben.

Gefördert von der Wilhelm Sander-Stiftung will die Arbeitsgruppe insbesondere die Rolle des Komplementsystems bei der Gefäßneubildung aufklären. Die Eiweiße dieser Signalkette lösen eine Reihe an Entzündungsreaktionen aus und locken so Immunzellen zu den Infektionsherden. „Als erwiesen gilt, dass entzündliche Prozesse und die Neubildung von Gefäßen eng zusammenhängen. Berichte zum Einfluss des Komplementsystems haben bisher jedoch widersprüchliche Ergebnisse geliefert“, erläutert der Mediziner.

Die Arbeitsgruppe will nun Klarheit schaffen. In den Fokus ihrer Arbeiten stellt sie den Komplementfaktor C3 – den zentralen Baustein des Komplementsystems. Die Forscher wollen insbesondere klären, welche zellulären und molekularen Mechanismen im Umfeld dieses Signalstoffs zur Gefäßneubildung führen. Sollte es den Tübinger Forschern gelingen, den Schlüssel zu diesem molekularen Hebel zu finden, könnten sie darüber gezielt Einfluss auf das Tumorwachstum nehmen. Ein neuer Therapieansatz mit dem man entarteten Zellen schlicht „den Saft abdreht“ wäre gefunden.

Die Wilhelm Sander-Stiftung fördert dieses Forschungsprojekt mit über 100.000 Euro. Stiftungszweck der Stiftung ist die medizinische Forschung, insbesondere Projekte im Rahmen der Krebsbekämpfung.

MEDICA.de; Quelle: Wilhelm Sander-Stiftung