Gefäßprothese mit Medikamentenbeschichtung

„Wir sind sehr stolz darauf, dass dieser innovative Stent zum ersten Mal außerhalb einer klinischen Studie mit exzellentem Ergebnis bei uns in Bad Oeynhausen zum Einsatz gekommen ist“, sagt Professor Dieter Horstkotte, Klinikdirektor der Kardiologischen Klinik.

Der erste Einsatz einer selbstexpandierenden, medikamentenbeschichteten Gefäßprothese gibt rund 1,5 Millionen Patienten, die in Deutschland an einer Erkrankung der Herzkranzgefäße (koronare Herzkrankheit) leiden, neue Hoffnung. „Die weltweit einzigartige Kombination aus selbstexpandierendem Metall-Stent als Stabilisator des Gefäßes und einer entzündungshemmenden Medikamentenbeschichtung ist ein deutlicher Fortschritt für die Behandlung von Patienten mit akutem Herzinfarkt und koronarer Herzkrankheit“, erläutert Oberarzt Doktor Marcus Wiemer, Leiter des Herzkatheterlabors.

Mit einer Länge von 22 bis 27 Millimeter ist der Stent nur so groß wie ein Fingernagel. Dank der medikamentösen Beschichtung werden vorhersehbare Entzündungsreaktionen in der Gefäßwand und die daraus entstehende Narbengewebebildungen deutlich reduziert. Die Nickel-Titan-Legierung (Nitinol) des Stents besitzt außergewöhnliche Form-Gedächtnis-Eigenschaften sowie eine Superelastizität: „Dank dieser Eigenschaften ist auch ein nachträglicher Zugang zu den wichtigen Seitengefäßen möglich, nachdem die Prothese im Hauptgefäß platziert worden ist. So können Verengungen in den extrem engen Verästelungen der Herzkranzgefäße behandelt werden, was die Versorgung des Seitengefäßes mit Blut zusätzlich verbessert“, so die Kardiologen.

Bei dem bislang angewandten Verfahren wird der Stent durch einen Ballon an die Gefäßwand gepresst. Die selbstexpandierenden Stents unterscheiden sich davon durch die Eigenschaften des Nitinols. Die Aufdehnung des Gefäßes erfolgt nach Einbringen des Stents dauerhaft durch eine beständige auswärtsgerichtete Kraft des Nitinol-Netzes gegen die Gefäßwand. Dies führt zu einer schonenden Gefäßwiedereröffnung sowie zu einer vollständigen Ausdehnung und Anpassung an die ursprüngliche Gefäßweite.


MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum - Herz- und Diabeteszentrum NRW Bad Oeynhausen