Implantate: Gefährliche Infektionen früh erkennen

16/10/2013
Foto: Mausmodell mit entzündetem Gelenk

Nachweis einer Staphylokokken-Infektion (rot, rechts) im Beinmuskel einer Maus mit dem neuartigen Fluoreszenzmittel. Das Fluoreszenzsignal unter dem Becken des Tiers entsteht, weil sich das Mittel in der Blase sammelt, bevor es mit dem Urin ausgeschieden wird; © Kevin P. Francis, Caliper (Alameda, California, USA)

Auf künstlichen Gelenken oder anderen Implantaten im Körper können sich gefährliche Bakterien ansiedeln. Forscher aus Würzburg und den Niederlanden haben eine Methode entwickelt, um solche Infektionen frühzeitig aufzuspüren.

Staphylokokken sind Bakterien, die besonders in Krankenhäusern gefürchtet werden. Denn eine Infektion mit ihnen kann lebensgefährlich für Patienten verlaufen, deren Abwehrkräfte geschwächt sind – zum Beispiel nach einem größeren Eingriff wie einer Organtransplantation. Besondere Probleme machen dabei Staphylokokken, die gegen mehrere Antibiotika gleichzeitig resistent sind.

Gefährlich werden solche Infektionen auch für Patienten, die zum Beispiel künstliche Gelenke oder andere Implantate eingesetzt bekommen. Denn gerade bei Implantaten besteht das Risiko, dass die Bakterien darauf Biofilme bilden: Die Mikroben umgeben sich dabei mit einer Schleimhülle, in der sie sehr gut vor Medikamenten geschützt sind.

„Wenn eine solche Infektion ausufert, muss das Implantat unter Umständen operativ wieder entfernt werden“, sagt Knut Ohlsen vom Institut für Molekulare Infektionsbiologie der Universität Würzburg. Danach werde die infizierte Region erst „saniert“, bevor sich ein neues Implantat einsetzen lässt – alles in allem eine langwierige und für den Patienten sehr belastende Angelegenheit. Darum ist es wichtig, Infektionen an Implantaten so früh wie möglich zu erkennen.

Die Wissenschaftler haben ein Mittel entwickelt, das man als „fluoreszierenden Spürhund“ bezeichnen könnte: Es findet schon geringste Mengen der gefährlichen Staphylokokken im Körper und markiert sie so, dass sie sich mit einer Spezialkamera von außen erkennen lassen. Bei dem „Spürhund“ handelt es sich um das gängige Antibiotikum Vancomycin, das an einen neuartigen Fluoreszenz-Farbstoff gekoppelt ist.

In Versuchen mit Mäusen hat sich das Verfahren als geeignet erwiesen. Falls es auch beim Menschen anwendbar ist, lassen sich Infektionen an Implantaten und die Folgeoperationen in Zukunft vielleicht vermeiden: Gibt es nach dem Einsetzen eines Implantats Anzeichen für eine Infektion könnte man den Patienten den „Spürhund“ nach Art eines Kontrastmittels verabreichen. Mit einer Videokamera, die die Fluoreszenzsignale des Mittels aufzeichnet, werden dann umgehend Ort und Ausmaß der Infektion festgestellt und Gegenmaßnahmen ergriffen.

MEDICA.de; Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg