Gehirn kann Fiktion von Realität trennen

Foto: Mädchen ganz vertieft in ein Buch

Lesen entführt in fremde Welten,
ohne im Gehirn Verwirrung zu
stiften; © SXC

Menschen können die Realität ohne Probleme von der Fiktion trennen. Wie das Gehirn diesen Spagat schafft, konnten Wissenschaftler aufdecken: Sie fanden, dass für das Lesen von realen und fiktiven Inhalten verschiedene Regionen im menschlichen Gehirn - der anteriore mediale präfrontale und der posteriore cinguläre Cortex - aktiv werden.

Reale Inhalte lösten bei den Untersuchungen Aktivitäten in den Gehirnbereichen aus, die auch gefragt sind, wenn der Gebrauch des autobiographischen Gedächtnisses oder selbstreferenzielle Prozesse anstehen. Fiktive Inhalte wurden dagegen in anderen Hirnregionen verarbeitet. Diese Entdeckung begründete die Vermutung der Forscher, dass für die kognitive Verarbeitung realer Inhalte folglich persönlich relevante Erfahrungen und Kenntnisse der jeweiligen Versuchspersonen eine Rolle spielten, da diese schließlich in denselben Gehirnregionen verarbeitet wurden.

Ob die persönliche Relevanz tatsächlich eine Rolle spielt, wollten die Wissenschaftler genau wissen. Dafür stellten sie zunächst drei verschiedene Gruppen mit Versuchsteilnehmern zusammen. Anschließend mussten alle Teilnehmer Sätze lesen, die entweder von fiktiven Figuren oder aber realen Personen erzählten, wobei die realen Personen entweder Berühmtheiten waren oder Freunde und Familienmitglieder der Probanden.

Wie erwartet, verringerte sich das Aktivierungspotenzial in den verarbeitenden Hirnregionen, je unpersönlicher die Personen in den Szenarien für die Versuchsteilnehmer wurden."Diese Entdeckung, dass sich die Aktivitäten der Gehirnregionen spontan an dem Verhältnis von Stimulus und persönlicher Relevanz der Figuren für die Versuchsteilnehmer ausrichten, nährt die Vermutung, dass eben diese persönliche Relevanz für die Unterscheidung von Realität und Fantasie eine Schlüsselrolle spielt", betont Anna Abraham, leitende Wissenschaftlerin der Studie. "So liegt es nahe, dass die Tiefe des persönlichen Bezugs zu realen oder fiktiven Figuren Einfluss nimmt auf Wahrnehmungs- und Speicherungsprozesse. Dadurch ist das Gehirn wiederum in der Lage zu unterscheiden, was real und was fiktiv ist."

MEDICA.de; Quelle: Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.