Jugendliche haben ein hohes Risiko unerwünschter Schwangerschaften, können sich mit sexuell übertragbaren Erkrankungen anstecken oder Opfer erzwungener sexueller Handlungen werden. Als effektivster Weg, um Jugendliche zu einer erfüllten Sexualität zu führen, gilt der Sexualkundeunterricht in der Schule.

Zwischen 1993 und 1995 hat man in Schottland ein spezielles Sexualkundeprogramm für 13- bis 15-jährige Schüler entwickelt, das "sexual health and relationships (SHARE)"-Programm. Es besteht darin, Lehrer fünf Tage lang intensiv zu schulen. Dann sollen sie den Lehrstoff in 20 Sitzungen an die Schülerinnen und Schüler weiter geben. Ziel des Programms ist, die Jugendlichen auf eine vernünftige Weise aufzuklären.

Die Auswirkungen dieses Programm wurden jetzt getestet. Viereinhalb Jahre nach Einführung des Programms in Schottland hat man das Ergebnis bei 4.196 jungen Frauen beobachtet. Etwa die Hälfte von ihnen hatte in der Schule an dem SHARE-Sexualkundeunterricht teilgenommen, die anderen waren konventionell in der Schule aufgeklärt worden.

Im Alter von etwa 20 Jahren waren in beiden Gruppen etwa gleich viele junge Frauen schwanger geworden: 200 Frauen pro 1.000 in der SHARE-Gruppe und 274 pro 1.000 in der Kontrollgruppe (nicht signifikant). Ähnlich das Ergebnis in Bezug auf Schwangerschaftsabbrüche: 127 pro 1.000 junge Frauen, die das SHARE-Programm mitgemacht hatten, ließen zwischen dem 16. und 20. Lebensjahr abtreiben und 112 pro 1.000 nach konventionellem Unterricht.

Es gibt verschiedene mögliche Erklärungen für dieses Phänomen. Es könnte sein, dass sozioökonomische Einflüsse auf das Sexualverhalten einfach stärker sind als das Gelernte. Oder aber, der konventionelle Sexualkundeunterricht ist bereits so gut, dass mehr nicht zu erreichen ist.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2007, Vol. 334, S. 133