Arbeitsplatz: Gemeinsam gegen Stress

03.12.2013
Foto: Burnout

Anhaltende Erschöpfungszustände erhöhen das Risiko, an einer Depres-
sion, Angst- oder Suchtstörung, Tinnitus oder Bluthochdruck zu erkranken; © panthermedia.net/
Randolf Berold

Psychosoziale Risikofaktoren müssen in der Arbeitswelt stärker berücksichtigt werden. Arbeitgeber, Politik und Beschäftigten sollen sich dem als gemeinsame Verantwortung stellen.

Das fordert die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN). Treten trotz Präventionsmaßnahmen die ersten Krankheitsbeschwerden auf, so sind der rechtzeitige Beginn einer effizienten Therapie und die spätere Wiedereingliederung wichtige Themen. Bisher wird diesen Erfordernissen kaum Rechnung getragen.

Beschäftigung und Arbeit sind ein zentraler Bestandteil unseres Lebens. Rund 55.000 Stunden verbringen wir in unserem Erwerbsleben am Arbeitsplatz. Solange die Arbeit nicht übermäßig belastet, fördert sie das psychische Wohlbefinden. Doch immer mehr Erwerbstätige fühlen sich durch die Arbeit gestresst. Aktuelle Studien zeigen, dass die empfundene Stressbelastung unter den deutschen Arbeitnehmern hoch bleibt. Rund 43 Prozent der abhängig Beschäftigten geben an, dass der Arbeitsstress in den vergangenen zwei Jahren zugenommen hat, ein Fünftel fühlt sich quantitativ überfordert. Als Belastungsfaktoren gelten die zu hohe Arbeitsbelastung, der starke Termin- und Leistungsdruck und gehäufte Arbeitsunterbrechungen. DGPPN-Präsident Prof. Wolfgang Maier appelliert deshalb an die Betriebe und Verwaltungen: „Arbeit muss so beschaffen sein, dass gesundheitliche Risiken für die Erwerbstätigen durch Arbeitsbelastungen minimiert werden. Dies gilt heute stärker denn je auch für psychosoziale Stressfaktoren.“ Inzwischen eröffnen technologische Entwicklungen viele Möglichkeiten, Berufs- und Privatleben besser in Einklang zu bringen – etwa durch zeit- und ortsflexible Arbeitszeiten. Gleichzeitig bergen übersteigerte Leistungsbereitschaft und ständige Erreichbarkeit aber auch Risiken für die psychische Gesundheit.

Fühlt sich jemand dauerhaft ausgelaugt, ist heute oftmals von Burnout die Rede. „Das Gefühl von Erschöpfung und Ausgebranntsein ist an sich keine Erkrankung, sondern ein Risikozustand für die psychische und physische Gesundheit – dieses muss unbedingt ernst genommen und untersucht werden“, erklärt Maier. Denn länger anhaltende Erschöpfungszustände erhöhen das Risiko, etwa an einer Depression, Angst- oder Suchtstörung, Tinnitus oder Bluthochdruck zu erkranken.

Burnout-ähnliche Beschwerden wie verminderte Leistungsfähigkeit können aber auch Folge körperlicher oder psychischer Erkrankungen sein. Es gilt daher Krankheitssymptome diagnostisch genau abzuklären, um – wenn nötig – rasch die richtige Therapie und Behandlung der Grunderkrankung zu gewährleisten. „Daher ist sicherzustellen, dass Betroffene rasch einen Behandlungsplatz beim niedergelassenen Haus- oder Facharzt finden. Nur so lässt sich einer Chronifizierung vorbeugen und durch individuelle Therapie können Betroffene rascher an ihren Arbeitsplatz zurückkehren“, betont Prof. Mathias Berger, Mitglied im Beirat der DGPPN. „Entscheidend ist, möglichst frühzeitig die notwendige Therapie und den geeigneten Therapeuten zu finden, denn je frühzeitiger effizient behandelt wird, umso besser das Therapieergebnis. Im Fall einer längeren Arbeitsunfähigkeit ist besonderes Gewicht auf die Wiedereingliederung zu legen. Die Schnittstelle zwischen dem medizinischen Behandlungssystem und dem Betrieb läuft über den Betriebsarzt und ist zurzeit – von Ausnahmen abgesehen – unterentwickelt. So ist ein Wechsel in den Arbeitsbedingungen oft unumgänglich, damit die längere Krankheitsabwesenheit auch die einzige bleibt.“ Menschen mit psychischen Erkrankungen die Teilhabe am Arbeitsleben zu ermöglichen, gehört zu den zentralen Anliegen der DGPPN. Deshalb fordert die Fachgesellschaft insbesondere von der Politik, aber auch von den Sozialpartnern, der Erhaltung der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN)