Gen-Untersuchung spürt Hochrisiko-Patienten auf

Risikofaktoren - stecken gut
verschlüsselt in der DNA
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"Unsere Ergebnisse zeigen erstmalig, dass genetische Faktoren nicht nur das Auftreten der koronaren Herzerkrankung überhaupt, sondern sogar ihre Ausprägung in Form und Stärke wesentlich mitbestimmen. Wir sollten uns angewöhnen, nicht nur den Patienten selbst, sondern auch seine Familie zu betrachten", so Prof. Dr. Christian Hengstenberg, Co-Autor der Studie und Kardiologe an der Universitätsklinik Regensburg.

Die Forscher untersuchten die Herzkatheterfilme von 882 Geschwistern aus 401 Familien mit koronarer Herzerkrankung. Die Familien wurden dadurch ermittelt, dass der Indexpatient einen Herzinfarkt vor dem 60. Lebensjahr erlitten und mindestens ein Geschwister mit einer schweren koronaren Herzerkrankung gehabt hat.

Die Autoren analysierten dann, in welchem Ausmaß verschiedene Aspekte der koronaren Herzerkrankung einer genetischer Steuerung unterliegen. Hierzu gehören vor allem die Schwere der Erkrankung, die Verteilung der Einengungen und das Vorhandensein von Kalkbildung. Anschließend wurden Berechnungen zum Vererbungsgrad mit der Varianzkomponenten-Analyse durchgeführt.

So konnte gezeigt werden, dass die traditionellen Risikofaktoren, wie beispielsweise das Alter beim Erstereignis, eine erhebliche Erblichkeit aufwiesen. Nach Adjustierung für Alter und Geschlecht wurden starke genetische Einflüsse für ursprungsnah gelegene Engstellen der Herzkranzgefäße, besonders im linken Hauptstamm, für das Vorhandensein von koronaren Verkalkungen und für Erweiterungen der Herzkranzgefäße gesehen.

Einengungen der kleineren Gefäßabschnitte, das Muster der koronaren Blutversorgung oder die Anzahl der erkrankten Gefäße wurden weit weniger von genetischen Faktoren beeinflusst.

MEDICA.de; Quelle: Universität zu Lübeck