Bild: Ein Metronom 
Den Takt des Herzens
bestimmt ein Gen
© Hemera

Für ihre Forschung schufen die Wissenschaftler ein neues Tiermodell: Mit genetisch veränderten Mäusen kann nun die Funktion dieses Gens, das für die Entwicklung des Sinusknotens in der Wand des rechten Herzvorhofs verantwortlich ist, und die Folgen seines Ausfalls an lebenden Organismen untersucht werden.

"Auch beim Menschen wird dieses Gen sehr früh während der Embryonalentwicklung aktiv, ungefähr drei bis vier Wochen nach der Befruchtung", erklärt Professor Dr. Gudrun Rappold, Direktorin der Abteilung Molekulare Humangenetik am Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums Heidelberg. "Ein Fehler in diesem Gen könnte daher beim Menschen vergleichbar zur Maus zu einer Erkrankung des Herzens führen."

Das Gen Shox2 ist hauptsächlich im Herzen ungeborener Wirbeltiere aktiv und stand bereits im Verdacht, eine wichtige Rolle bei der Herzentwicklung zu spielen. Privatdozent Dr. Rüdiger Blaschke vom Institut für Humangenetik des Universitätsklinikums Heidelberg wies nun nach, dass Mäuseembryonen bereits nach kurzer Zeit im Mutterleib absterben, wenn Shox2 in den Zellen des entstehenden Herzens nicht abgelesen werden kann.

Die Embryonen tragen sichtbare Zeichen eines Herz-Kreislauf-Versagens wie perikardiale Ödeme sowie Blutansammlungen in den peripheren Blutgefäßen. Bei ihnen ist der Bereich des Herzens verkümmert, aus dem später der rechte Herzvorhof mit dem Sinusknoten entsteht: Die Entwicklung des Taktgebers des Herzens ist gestört.

Da das Gen bei allen Wirbeltieren vorhanden ist und bei ihnen eine vergleichbare Funktion übernimmt, ist eine ähnliche Wirkungsweise beim Menschen anzunehmen. Die Erkenntnisse aus dem Tiermodell können dazu beitragen, Herzrhythmusstörungen beim Menschen besser zu verstehen und möglicherweise neue Therapien gegen Rhythmusstörungen zu entwickeln.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg