Gene auf Chromosom 8 schützen vor Infektionen

Das Chromosom 8 enthält insgesamt nur 793 proteinkodierende Gene. Es gehört damit zu den genarmen Chromosomen. Eine Besonderheit des menschlichen Chromosoms 8 ist ein circa 15 Millionen Basen umfassender Abschnitt an einem seiner Enden. Dieser Bereich variiert von Mensch zu Mensch sehr stark und unterscheidet sich deutlich zwischen Mensch und Schimpanse. Obwohl im Durchschnitt 98,7 Prozent der Erbinformation zwischen den beiden Spezies identisch ist.

"Dieser Abschnitt des Chromosoms 8 hat sich in der Vergangenheit schneller und stärker verändert als andere chromosomale Abschnitte. Nur das männliche Geschlechtschromosom weist noch mehr Variabilität auf", erklärt Dr. Matthias Platzer, Leiter der vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Studie.

Innerhalb des variablen Abschnitts auf Chromosom 8 liegen unter anderem Gene, die zur angeborenen Immunität des Menschen beitragen. Eine Gruppe der beteiligten Gene bilden die Defensine. Diese körpereigenen Antibiotika schützen den Organismus vor einer Infektion mit Bakterien, Pilzen oder Viren. Diese besonderen Gene müssen permanent neuen Umweltbedingungen angepasst werden, um einen effektiven Schutz gegen bisher unbekannte Bakterienarten zu bieten.

"Liegen diese Gene in Regionen, die sich schnell verändern, so ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass neue, besser schützende Varianten entstehen", kommentiert Platzer die Studie. Die flexible Chromosomenregion könnte auch für die menschliche Evolution von Bedeutung sein: Die Wissenschaftler des Nationalen Genomforschungsnetzes (NGFN) fanden gemeinsam mit internationalen Kollegen hier Gene, die bei der Entwicklung des menschlichen Nervensystems eine Rolle spielen.

MEDICA.de; Quelle: Nationales Genomforschungsnetz