Gene der Mütter entscheiden über lichtes Haar

Eine Glatze - ganz nach dem
Großvater mütterlicherseits
© Hemera

Die männlichen Geschlechtshormone scheinen tatsächlich eine entscheidende Rolle beim Haarausfall von Männern zu spielen. Demnach können bestimmte Veränderungen in der genetischen Bauanleitung des Androgen-Rezeptors eine frühe Glatzenbildung zur Folge haben.

Das betroffene Gen liegt auf dem X-Chromosom. Männer erben den Defekt daher von ihrer Mutter – ein Beleg für die verbreitete Annahme, dass Männer in Puncto Haarausfall eher nach ihrem Großvater mütterlicherseits als nach ihrem Vater schlagen.

Schon lange vermutet man, dass die Erbanlagen bei der Entstehung des Haarausfalls eine Rolle spielen. Bisher war aber unklar, welche Gene beteiligt sind. Forscher scheinen nun erstmals eine der verantwortlichen Erbanlagen identifiziert zu haben.

Über mehrere Jahre hatten die Wissenschaftler nach Familien gefahndet, bei denen mehrere Männer vom Haarausfall betroffen waren. In Blutproben der Freiwilligen suchten sie dann nach Kandidatengenen - und wurden schließlich fündig: In einem ersten Schritt gelang es dem Team, die Suche auf eine Reihe von Regionen auf verschiedenen Chromosomen einzugrenzen. In einer Region, die den stärksten Beitrag vermuten ließ, lag die Erbanlage für den Androgen-Rezeptor. Eine Variante dieses Gens fand sich unter Männern, die schon früh unter Glatzenbildung litten, sehr viel häufiger als bei Männern, die im Alter von über 60 Jahren noch volles Haar hatten.

Wahrscheinlich führt die Genvariante zu mehr Androgen-Rezeptoren in der Kopfhaut. Entweder wird bei den Betroffenen mehr Androgenrezeptor gebildet, oder die Rezeptorvariante, die aufgrund der Genveränderung entsteht, ist stabiler und wird nicht so schnell abgebaut. Durch beide Mechanismen kann es zu einer stärkeren Wirkung der Androgene kommen, was dann wiederum zum Haarausfall führt.

Interessant sind die Befunde auch für die Vererbung der Glatzenbildung. Das Gen für den Androgen-Rezeptor liegt auf dem X-Chromosom. Männer erben das X-Chromosom immer von ihrer Mutter.

MEDICA.de; Quelle: American Journal of Human Genetics 2005, Vol. 77, S. 140-148