Genetische Ursache für häufigen Hirntumor

Foto: Futuristisches Bild von einem Tumor im Gehirn

Meningeome sind gutartige, aber
nicht harmlose Hirntumore, die sehr
häufig vorkommen; © pantherme-
dia.net / James Steidl

„Meningeome sind nach den Gliomen die häufigsten Hirntumore, die wir operieren“, sagt Professor Matthias Simon, einer der Studienleiter und Leitender Oberarzt an der Neurochirurgischen Universitätsklinik in Bonn. Dort führen die Chirurgen rund 100 Meningeom-Eingriffe jährlich durch. „Durch sein Wachstum kann das Meningeom auf das Gehirn drücken und Schäden verursachen“, berichtet Simon. „Teilweise lassen sich die Tumoren bei Operationen auch nicht vollständig entfernen - der Tumor kann also wiederkehren.“

Das internationale Forscherteam suchte nun nach häufigen Varianten im Erbgut von Patienten, die mit der Entstehung des Tumors zusammenhängen. „Wir gehen davon aus, dass nicht ein einziges verändertes Gen, sondern mehrere Gene zu einem höheren Meningeom-Risiko beitragen“, berichtet Simon.

Die Wissenschaftler gewannen die DNA aus Blutproben und untersuchten das Erbgut von 1633 Meningeom-Patienten auf Unterschiede zu gesunden 2464 Probanden. Die Forscher nutzten so genannte „Genchips“ - kleine Plättchen, an die bestimmte Abschnitte des Erbguts andocken, die von Mensch zu Mensch verschieden sind. Das Verfahren erlaubt, automatisiert viele einzelne Erbgutabschnitte zu analysieren. Damit überprüften die Forscher insgesamt mehr als 270.000 variable Stellen auf der DNA eines jeden Patienten.

Das internationale Team fand eine Region im Erbgutstrang des Chromosoms 10, die bei Meningeom-Patienten besonders häufig verändert war. Dort befindet sich das AF10/MLLT10-Gen. „Wer über diese Erbgutveränderung verfügt, hat ein zirka 1,5-fach erhöhtes Risiko, an einem Meningeom zu erkranken“, berichtet Simon.

Der Zusammenhang sei statistisch eindeutig belegt, aber der Unterschied zu gesunden Personen erscheine zu gering, um mit einem Erbguttest die genetisch bedingte Anfälligkeit für ein Meningeom zu untersuchen. „Bei weitem nicht jeder, der über diese Erbgutvariante verfügt, erkrankt irgendwann an einem Meningeom“, sagt Professor Markus M. Nöthen, Direktor des Instituts für Humangenetik der Universität Bonn.

MEDICA.de; Quelle: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn