Genhemmung stoppt Tumor

Krebs-Gene bilden den Bauplan für Proteine, die Zellen dazu veranlassen, sich ungebremst zu vermehren. Allerdings müssen die Proteine in der Regel mit Partnern zusammenarbeiten, damit das Tumorwachstum einsetzt. Wird die Zusammenarbeit gestört, stellt der Tumor sein Wachstum ein.

Nun ist es Wissenschaftlern der Universitäten Würzburg, unter ihnen Martin Eilers, und Stanford erstmals am lebenden Organismus gelungen, diese Theorie zu bestätigen.

Jeder Mensch trägt in beinahe jeder Zelle seines Körpers eine bestimmte Gruppe von Genen, die eine wichtige Rolle bei der Krebsentstehung spielen – die sogenannten Myc-Gene. Normalerweise werden diese Gene wenig abgelesen; sie dienen als Bauplan für Myc-Proteine, die Aufgaben beim Zellwachstum übernehmen und nur in geringen Mengen gebraucht werden.

Arbeiten die Myc-Gene nicht richtig, teilen sich Zellen unkontrolliert, ein Tumor entsteht. „Schon seit 1997 gibt es die Theorie, dass Myc-Proteine sich mit einem weiteren Protein – dem Miz1-Protein – verbinden und damit andere Gene regulieren, die für das Tumorwachstum von Bedeutung sind“, erklärt Eilers. „Tumorzellen sind auf ständige Unterstützung durch die für sie verantwortlichen Gene angewiesen. Fehlt diese Unterstützung, bricht die Tumorzelle zusammen. Die Gründe dafür hat man bisher nie genau verstanden.“ Eine Erklärung liefert die Myc-Miz-Kollaboration.

Eilers: „Tumorzellen tragen in sich ein Programm, das sie eigentlich daran hindert, sich ungebremst zu vermehren.“ Anders formuliert: Die Tumorzelle neigt zum Selbstmord oder zur Arbeitsverweigerung. So kann sie den programmierten Zelltod starten – eine Zelle bringt sich um und bewahrt damit den gesamten Organismus vor Schaden (Apoptose). Oder die Zelle teilt sich nicht mehr, bleibt aber weiterhin stoffwechselaktiv (Seneszenz).

Erst die Wechselwirkung mit dem Miz1-Protein verhindert die Seneszenz. Der Nachweis dafür gelang den Wissenschaftlern, als sie das Myc-Gen an einer Stelle umbauten. Das Protein war dann kaum noch in der Lage, an Miz1 zu binden.

Direkte Konsequenzen für eine Krebstherapie hat die Erkenntnis derzeit leider noch nicht.

MEDICA.de; Quelle: Julius-Maximilians-Universität Würzburg