Der AVWG-Entwurf vom 15. Dezember 2005 sieht Strafen für Ärzte vor, die über einen bestimmten Betrag hinaus Arzneimittel verordnen. Doch die DGIM fordert gemeinsam mit dem Berufsverband Deutscher Internisten (BDI), dass Ärzte ohne Druck von Seiten des Staates ihre Therapiefreiheit zum Wohle des kranken Menschen ausüben können müssen.

Ziel des AVWG ist es, die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) für Arzneimittel zu senken. Der Entwurf sieht neben Preisstopps für Arzneimittel oder dem Verbot bestimmter Rabatte für Apotheken eine "Stärkung der ärztlichen Verantwortung für die Verordnung von Arzneimitteln" vor. Doch das bedeutet, dass bei Überschreiten einer Kostengrenze, der Arzt - je nach Höhe der Überschreitung - bis zur Hälfte der entstandenen Kosten selbst tragen muss.

Umgekehrt steht dem Arzt ein Bonus zu, wenn er preisgünstiger verordnet. Diese "Tagestherapiekosten" sollen künftig für häufig verordnete "indikationsstarke" Medikamente gelten. "Die Androhung von Strafe bei Überschreiten einer bestimmten Kostengrenze gefährden die Unabhängigkeit der Ärzte und die medizinische Versorgung der Patienten", so Professor Dr. med. Werner Seeger, Vorsitzender der DGIM. Patienten hätten jedoch Anspruch auf ärztliche Behandlung dem medizinischen Fortschritt entsprechend.

Laut AVWG ermöglichten die staatlichen Vorgaben, die Arzneimittelversorgung besser als bisher an dem tatsächlichen medizinischen Versorgungsbedarf der Patienten auszurichten. Doch die DGIM befürchtet, dass sich in Folge die Qualität der Versorgung vor allem im hausärztlichen Bereich verschlechtern wird, da dort die meisten Medikamente verordnet werden.

Mit dem AVWG sollen jährlich mehr als eine Milliarde Euro eingespart werden. Es soll zum 1. April 2006 in Kraft treten.

MEDICA.de; Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, Medizin