Gerontotechnologie: Bedürfnisse der Anwender in den Mittelpunkt stellen

Gerontotechnologische Projekte suchen Lösungen, um beispielsweise das Leben älterer Menschen unbeschwerter zu gestalten und ihnen ein Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Die Relevanz solcher Forschungsvorhaben vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung in Deutschland ist bekannt. Im Vorfeld des Thementages Geriatrie auf der MEDICA EDUCATION CONFERENCE 2015, die vom 16. bis zum 19. November in Düsseldorf stattfindet, betont der Geriater PD Dr. Jürgen Bauer die Notwendigkeit, bei den technischen Entwicklungen den älteren Menschen als wichtigsten Maßstab zu nehmen.

Die Gerontotechnologie beschäftigt sich mit der Entwicklung von innovativen Technologien, die die Selbstständigkeit älterer Menschen erhalten und ihre Lebensqualität steigern sollen. Darüber hinaus werden Bausteine für eine alters- und behindertengerechte Hausautomation entwickelt oder Roboter, die bei der Pflege assistieren können. "Die Gerontotechnologie ist gegenwärtig ein sehr weites Feld, auf dem es neben zahlreichen seriösen Ansätzen auch überflüssige Life Style Produkte gibt", erklärt PD Dr. Jürgen Bauer, Direktor der Universitätsklinik für Geriatrie und Leiter des Geriatrischen Zentrums Oldenburg (GZO). Die seriösen Ansätze fallen nach PD Dr. Bauer meist unter den Begriff "Quality of Life Technology": intelligente Technikentwicklungen, die darauf zielen, die Lebensqualität ihrer Anwender zu verbessern.

Vor diesem Hintergrund ergeben sich als Handlungsfelder für die technischen Entwicklungen die körperliche und mentale Gesundheit des älteren Menschen, seine Mobilität und seine bevorzugten Alltagsbeschäftigungen sowie seine soziale Einbindung. "Nur durch eine starke Fokussierung auf Versorgungsziele, die aus der Sicht des Anwenders relevant sind und seine Lebensqualität sichern oder verbessern, wird sich ein signifikanter Nutzen für den einzelnen und für die Gesellschaft erzielen lassen", betont der Referent der MEDICA EDUCATION CONFERENCE. Dies müsse das gemeinsame Ziel aller Disziplinen sein, die in der Gerontotechnologie forschen. Unterschiedliche Forschungsperspektiven, die manchmal schwer zu vereinbaren sind, müssen dahinter zurücktreten. "Reine Machbarkeitsstudien zu technikverliebten Produkten tragen langfristig nichts bei", so der Experte.

Zur Orientierung am Anwender zählt auch eine regelmäßige Analyse der Akzeptanz während der Entwicklung gerontotechnologischer Produkte. So konnte gezeigt werden, dass es bei älteren Menschen eine hohe Akzeptanz für ein elektronisches Monitoring in ihrer häuslichen Umgebung gibt, wenn sie ein hohes Risiko haben, sich in ihrer Mobilität oder anderen Funktionsbereichen zu verschlechtern. Das Monitoring ermöglicht in einem solchen Fall, länger möglichst selbstständig zu Hause leben zu können Eine gelungene alltagsnahe Produktentwicklung ist nach PD Dr. Bauer beispielsweise die Weiterentwicklung des Hausnotrufs. Bei dieser kann ein Notruf entweder nach wie vor aktiv ausgelöst werden oder die Aktivierung erfolgt über Sensoren in der Wohnung automatisch. Erforscht wird derzeit auch ein langfristiges Monitoring von Risikopatienten in deren häuslicher Umgebung. Dieses ermöglicht behandelnden Ärzten, einen gefährdeten Patienten frühzeitig zu erkennen und zu behandeln – nicht erst, wenn ein Sturz mit Verletzungsfolgen die eigentliche Erkrankung erst offenbart. "Die Erwartungen an die Gerontotechnologie sind groß", resümiert PD Dr. Bauer. "Es gilt kritisch zu prüfen, ob sie diese in den nächsten Jahren zumindest teilweise erfüllen kann."

Über Status quo und Perspektiven der Gerontotechnologie diskutieren Experten am 18. November 2015 auf der MEDICA EDUCATION CONFERENCE in Düsseldorf. Dann stehen technische Systeme und Dienste im Fokus und der Nutzen, den diese Patienten und Ärzten bieten können. Die interdisziplinäre Fortbildungsveranstaltung MEDICA EDUCATION CONFERENCE findet parallel zur Weltmesse für Medizintechnik, der MEDICA, erstmals mit einer geänderten Laufzeit von Montag bis Donnerstag statt.

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Düsseldorf, November 2015