Gesamtzahl der herzchirurgischen Eingriffe leicht gestiegen

13/02/2015
Grafik: Herz mit Pulskurve

Die Fachgesellschaft der deutschen Herzchirurgen veröffentlicht Leistungsstatistik 2014: trotz höherem Durchschnittsalter der Patienten bessere Überlebensraten; © panthermedia.net/Sebastian Kaulitzki

Die Deutsche Gesellschaft für Thorax-, Herz- und Gefäßchirurgie (DGTHG), hat am Dienstag im Rahmen ihrer Jahrestagung in Freiburg die Operationszahlen und Überlebensraten nach herzchirurgischen Eingriffe im Jahr 2014 veröffentlicht. Danach ist die Gesamtzahl der Operationen an den 79 Fachabteilungen für Herzchirurgie in Deutschland vom Jahr 2013 auf 2014 leicht auf über 100.000 gestiegen, wobei sich die Zahlen nach Eingriffsgruppen differenziert unterschiedlich entwickelten. Kritisch sehen die Herzchirurgen besonders die im internationalen Vergleich in Deutschland niedrige Zahl der koronaren Bypass-Operationen vor dem Hintergrund aktueller Leitlinien.

Genau 100.394 Operationen am Herzen haben die rund 950 in Deutschland tätigen Herz-, Thorax- und Kardiovaskularchirurgen im Jahr 2014 durchgeführt. Damit ist die Gesamtzahl dieser Eingriffe das erste Mal seit zehn Jahren wieder auf über 100.000 gestiegen. Im Jahr 2013 wurden 99.132 herzchirurgische Eingriffe durchgeführt.

Zählt man Eingriffe wie Herzschrittmacher- und Defibrillatorim- und explantationen sowie Eingriffe an der herznahen Hauptschlagader ohne Einsatz der Herz-Lungen-Maschine dazu, summiert sich die Anzahl auf 128.546 Eingriffe im Jahr 2014.

Trotz des von Jahr zu Jahr steigenden Alters der Patienten in den herzchirurgischen Abteilungen – 14,2 Prozent der Patienten waren im vergangenen Jahr 80 Jahre und älter – und dem entsprechenden Anstieg von Patienten mit Begleiterkrankungen blieb die Krankenhaus-Überlebensrate in den jeweiligen Eingriffskategorien stabil oder stieg sogar an.

Gegenüber 2013 konstant geblieben ist im vergangenen Jahr auch die Zahl der herzchirurgischen Fachabteilungen. „Die 79 Standorte verteilen sich in Abhängigkeit der regionalen Bevölkerungsdichte über die gesamte Bundesrepublik. Angesichts der tendenziell gleichbleibenden Behandlungszahlen herzchirurgischer Eingriffe ist keinerlei Notwendigkeit für die Einrichtung weiterer Fachabteilungen für Herzchirurgie gegeben“, sagte Professor Jochen Cremer, Präsident der DGTHG bei der Vorstellung der Zahlen.

Ein leichter Rückgang war gegenüber dem Vorjahr in der Kategorie der koronaren Bypass-Operation mit und ohne gleichzeitiger Durchführung eines weiteren herzchirurgischen Eingriffs zu verzeichnen. So veränderte sich die Zahl der isolierten und kombinierten koronaren Bypass-Operationen gegenüber dem Vorjahr marginal von 54.266 auf 53.805.

Im Jahr 2006 waren noch 64.502 Eingriffe dieser Art von den deutschen Herzchirurgen vorgenommen worden. Hintergrund dieser Entwicklung ist, dass die `Koronare Herzkrankheit´ (KHK) genannte Verengung von Herzkranzgefäßen, die den Herzmuskel mit Blut versorgen, in steigendem Maße durch eine Katheterintervention mit Einsetzen eines Stents behandelt wird. Dabei zeigen die Ergebnisse diverser medizinischer Studien und die aktuellen Empfehlungen medizinischer Leitlinien, dass die Bypass-Operation bei Befall mehrerer Herzkranzgefäße sowie komplizierteren Verengungen im Hinblick auf die Überlebensrate und die dauerhafte Lebensqualität der Patienten nach dem Eingriff die bessere Wahl ist.

„Die Entwicklung der Eingriffszahlen der koronaren Bypass-Operation muss jeden Mediziner nachdenklich stimmen. Gerade auch weil in anderen Industrienationen wie den USA proportional zur Bevölkerung mehr koronare Bypass-Eingriffe und weniger Stentimplantationen vorgenommen werden. Wir hoffen, dass die im Spätsommer veröffentlichte Aktualisierung der europäischen `Guidelines on myocardial revascularisation´ und die im Dezember veröffentlichte Aktualisierung der `Nationalen Leitlinie Chronische KHK´ mit ihren klaren Empfehlungen, wann welches der beiden Therapieverfahren zum Einsatz kommen sollte, helfen, die medizinische Versorgung zu verbessern. Zudem wird in beiden Leitlinien die Notwendigkeit eines interdisziplinären Teams bestehend aus einem Herzchirurgen und einem Kardiologen betont, das den jeweiligen Patienten über die Vor- und Nachteile der beiden Therapieansätze in seinem individuellen Fall aufklären soll“, erläuterte Professor Anno Diegeler, Sekretär der DGTHG.

Im Gegensatz zu den koronaren Bypass-Operationen steigt die Zahl der Eingriffe bei Patienten mit erworbenen Defekten der Herzklappen seit Jahren spürbar an. Wurden 2013 noch 29.672 Operationen dieser Art gezählt, sind es im vergangenen Jahr 31.359 gewesen – eine Steigerung von knapp sechs Prozent.

Der überwiegende Teil der Operationen von Herzklappen betrifft die Aortenklappe. Allein 11.764 konventionelle herzchirurgische Aortenklappenersatz-Operationen wurden im Jahr 2014 in Deutschland vorgenommen. Damit hat sich die Zahl dieser Kategorie im Vergleich zum letzten Jahr nicht verändert (2013: 11.765). Die Überlebensrate (Krankenhausletalität) erreichte mit 97,3 Prozent einen neuen Rekordwert. In weiteren 1.335 Fällen wurde in Kombinationseingriffen die Aortenklappe zusammen mit der Mitralklappe operiert.

Die Zahl für kathetergestützte Aortenklappenimplantationen im Jahr 2014 ist in der Leistungsstatistik mit 8.631 angegeben (2013: 7.246). Allerdings erfasst die DGTHG-Leistungsstatistik nur diejenigen dieser Eingriffe, die aus der herzchirurgischen Fachabteilung übermittelt wurden. Entgegen der europäischen Leitlinie wurden auch 2014 kathetergestützte Aortenklappenimplantationen in Deutschland ohne die Erfüllung aller notwendigen Strukturvoraussetzungen vorgenommen.

Professor Armin Welz, 1. Vize-Präsident der DGTHG, begrüßte in diesem Zusammenhang die Beschlussfassung des Gemeinsamen Bundessausschusses, der am 22. Januar eine Richtlinie verabschiedete, die für die angemessene Patientensicherheit bei der Durchführung von kathetergestützten Herzklappenimplantationen u.a. bettenführende, vollausgestattete Fachabteilungen für Herzchirurgie und Kardiologie als notwendige Voraussetzung festlegt.

Bei den rund 7.250 Operationen an Mitralklappen mit und ohne einer zeitgleichen weiteren Herzoperation setzten sich die Trends der letzten Jahre fort: Nur in einem Drittel der Fälle muss die patienteneigene Klappe durch eine Prothese ersetzt werden. In zwei Dritteln der Fälle isolierter Mitralklappeneingriffe kann die defekte Klappe repariert werden, wobei die Überlebensrate (Krankenhausletalität) hier bei 98,4 Prozent liegt.

Ein neues Rekordtief hat zum Bedauern der Fachgesellschaft die Zahl der Herztransplantationen erreicht. So wurden 2014 nur noch 294 Herztransplantationen durchgeführt, nachdem es im vergangenen Jahr noch 301 gewesen waren. Gegenüber dem Jahr 1998, in dem der vorläufige Höchststand mit 526 Herztransplantationen erreicht worden war, stellt dies einen Rückgang um mehr als 40 Prozent dar, wobei eine deutliche Dynamisierung dieses Trends in den letzten drei Jahren zu beobachten war. Alleiniger Grund für diese Entwicklung ist die zurückgehende Bereitschaft der Bevölkerung zur Organspende.

Um die Patienten am Leben zu halten, bis ein geeignetes Spenderorgan zur Verfügung steht, aber auch aufgrund der fehlenden Spenderherzen immer häufiger als permanente Therapie, wird von den Herzchirurgen zunehmend auf Herzunterstützungssysteme zurückgegriffen: Die Zahl der implantierten Linksherzunterstützungssysteme hat sich von 350 im Jahr 2005 auf 957 im vergangenen Jahr fast verdreifacht, wobei der Trend ganz klar weg vom totalen Herzersatz und der künstlichen Unterstützung beider Herzkammern zu Geräten geht, die entweder die linke oder die rechte Herzkammer unterstützen.

„Die Systeme werden immer kleiner, leistungsfähiger und einfacher in der Handhabung. Allerdings wird es nach heutigem Stand noch eine längere Zeit dauern, bis technische Systeme einem transplantierten Herz gleichwertig sind. Dies zeigt sich auch daran, dass die Zahl der sogenannten Kunstherzen, die das menschliche Herz gesamt ersetzen, in den letzten Jahren tendenziell zurückgegangen ist und im Jahr 2014 bei nur noch 15 Implantationen lag – dem niedrigsten Wert seit der Zahlenerfassung im Jahr 2005“, so Cremer.

MEDICA.de; Quelle: DGTHG