Der Gefäßchirurg Eddie Chaloner erinnert daran, dass unter den Bedingungen des modernen Terrors praktisch jeder Arzt in die Situation kommen könnte, einem Explosionsopfer helfen zu müssen. Erste Maßnahme sei wie in jedem Notfall Atemwege freizumachen, die Atmung sicherzustellen und den Kreislauf wieder in Gang zu bringen.

Bereits im Zweiten Weltkrieg wurden Explosionsopfer in Bezug auf ihre Verletzung kategorisiert. Primäre Explosionsverletzungen beruhen demnach auf dem direkten Einwirken der Druckwelle auf das Körpergewebe. Ohren und Lunge sind daher besonders betroffen. Sekundäre Verletzungen entstehen dann, wenn energiereiche Teilchen auf den Körper treffen, etwa Splitter. Und schließlich tertiäre Explosionsverletzungen: Sie liegen dann vor, wenn die Druckwelle den gesamten Körper in Mitleidenschaft zieht und zu traumatischen Amputationen und abgerissenen Gliedmaßen führt. Zusätzlich kann das Gewebe durch heiße Gase verbrannt werden.

Besonders verheerend sind offenbar Explosionen in geschlossenen Räumen, wie Versuche gezeigt haben: Während eine Explosion im Freien eine Druckwelle von höchstens zehn Millisekunden verursacht, überlagern sich die reflektierten Druckwellen in geschlossenen Räumen, was die Schäden verschlimmert. Bei einer Explosion in Israel im Freien lag die Mortalität bei acht Prozent, während sie in einem geschlossenen Bus 49 Prozent betrug. Außerdem tragen die Überlebenden von Explosionen in geschlossenen Räumen in der Regel schwerere Verletzungen davon.

Schließlich weist Chaloner auf die Gefahr eines umgekehrten Triage-Effekts nach Terroranschlägen hin: Leicht Verletzte könnten selbstständig in Krankenhäuser laufen und dort die Kapazitäten für die später eintreffenden Schwerverletzten binden. Dass dies in London nicht geschah, sei dem hervorragenden Wirken der Notfallkräfte zu verdanken, schreibt der Autor.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2005, Vol. 331, S. 119-120