Obwohl die Zahl der Verkehrsunfälle zurückgeht, gab es im Jahr 2006 rund 422000 Verletzte und fast 6000 Tote auf deutschen Straßen. Ergebnisse aus der Verkehrsunfallforschung zeigen, dass über 90 Prozent der Unfälle auf menschliches Versagen zurückzuführen sind. Im Bereich der passiven Sicherheit, also der Maßnahmen, welche die Folgen eines nicht mehr verhinderbaren Unfalls minimieren, seien die Möglichkeiten fast gänzlich ausgeschöpft, so die Experten. Besser wäre es, Unfälle von vornherein zu vermeiden.

"Die Ergebnisse aus der Unfallforschung weisen eindeutig darauf hin, dass durch verstärkte Präventionsmaßnahmen die Unfallgefahr gesenkt werden könnte", sagte PD Dr. med. Julia Seifert vom Unfallkrankenhaus Berlin. Erste Ergebnisse einer von ihr durchgeführten Studie zeigen, dass Männer und Frauen in ihrer Risikobereitschaft zwar vergleichbar sind, ihr Risikoprofil jedoch große Unterschiede aufweist.

Frauen haben ihren höchsten Punktwert im Bereich Erfahrungssuche, Männer hingegen im Bereich Abenteuerlust. Das heißt während Frauen ihre Grenzen rational austesten, sind Männer auf der Suche nach emotionalen Kick-Erlebnissen. Ein möglicher Ansatz läge somit in der Ermittlung der Risikobereitschaft und der unterschiedlichen Risikoprofile des Einzelnen, sagt Julia Seifert. Wären diese Profile bekannt, könnten individuelle Präventionsmaßnahmen ergriffen werden.

Ist ein Unfall allerdings bereits geschehen, so müssen die Verletzten bestmöglich versorgt werden. Einen wichtigen Beitrag dazu leistet die Luftrettung. "Leider werden immer noch zu wenig Nachteinsätze geflogen", beklagt Dr. med. Jörg Beneker, Sprecher der Gruppe Leitender Notärzte Berlins. Grund dafür seien zum einem die unterschiedliche Handhabung auf Länderebene und zum anderen die zu zögerliche Alarmierung durch Leitstellen und Einsatzkräfte vor Ort bei schweren Unfällen.

MEDICA.de; Quelle: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften