Gesichtschirurgie mit Hilfe von Nanopartikeln

Geschädigter Verbund zwischen
Knochen und Implantat (Pfeil)
© TU München

Seit vielen Jahren ist erwiesen, dass durch Gabe bestimmter Wachstumsfaktoren, beispielsweise so genannter Bone Morphogenetic Proteins Knochendefekte schneller ausheilen und Knochen- Zahnimplantat-Verbindungen stabilisiert werden können. Diese Wachstumsfaktoren sind aber teuer, schwer verfügbar und nur kurzzeitig wirksam.

Eine andere Möglichkeit erforscht Dr. Dr. Andreas Kolk vom Fachgebiet Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie. Nach den ersten experimentellen Laborstudien ist der erste Einsatz im lebenden Organismus zunächst am Tier, nach erfolgreichem Abschluss am Menschen geplant.

Bei dem vorgestellten Konzept werden die körpereigenen Zellen dazu gebracht, dass sie selbst am gewünschten Ort Wachstumsfaktoren bilden. Hierzu benötigten die Zellen allerdings den Anstoß durch Zellgene. Um diese genetische Information in der Zelle zu ergänzen, dienten Nanopartikel als Informationstransporter.

Die neutralen Partikel ließen sich in eine biodegradierbare Beschichtung, beispielsweise von Zahnimplantatoberflächen einbetten und würden dann am Einsatzort über den Zeitraum der Knochenheilung kontinuierlich freigesetzt. Damit sei beispielsweise eine bessere Einheilung von Zahnimplantaten oder Knochenersatzmaterialien möglich, so Kolk.

Die Grundlagen dieser Technik entwickelten die Wissenschaftler vom Institut für Experimentelle Onkologie und Therapieforschung der TU München. Zurzeit testen die Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen, wie diese Methode für den klinischen Einsatz modifiziert und nutzbar gemacht werden kann.

Dem Patienten würden durch dieses Verfahren aufwändige körpereigene Knochentransplantationen oder das Einbringen von Fremdmaterialien erspart.

Allerdings sollte bei aller Euphorie erwähnt werden, dass Gentherapie zwar einen zukunftsträchtigen, aber langfristigen Weg darstellt. Noch müsste sich diese neue Möglichkeit in einer Reihe von Studien beweisen, bevor die Patienten davon im klinischen Alltag profitieren.

MEDICA.de; Quelle: Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München