Düsseldorf (gvg). Die Ära der Krankenversichertenkarte neigt sich dem Ende zu. Statt einer „dummen“ Plastikkarte mit Chip ohne Intelligenz, auf dem lediglich die Versichertendaten abgespeichert sind, tragen wir alle in Zukunft einen kleinen Computer in unserer Brieftasche, die elektronische Gesundheitskarte. Die neue Karte ist eines der zentralen Themen hier auf der Medica. Vor allem in den Hallen 16 und 17 gibt es Informationen dazu, wie der ärztliche Alltag mit der E-Card aussehen wird.

Wenn ein Patient beim Arzt diese Gesundheitskarte vorlegt, dann erfährt das EDV-System der Arztpraxis ganz nebenbei, ob die Karte gültig ist und ob der Betreffende in der Apotheke Zuzahlungen zu leisten hat. Der Arzt wird sich in Zukunft nach Rücksprache mit dem Patienten Arztbriefe und andere medizinische Dokumente ansehen können, denen er bisher immer hinterhertelefonieren mußte. Er kann auf wichtige Laborwerte zugreifen und sich einen Überblick über die Medikamente verschaffen, die sein Gegenüber einnimmt.

Die Karte ist nur der Ausweis zu Informationen im Netz

Die meisten dieser Informationen kommen per Datenleitung in die Praxis. Die Karte ist nur der Ausweis, die Eintrittskarte zu einem penibel abgesicherten Medizinnetz, das bald alle Ärzte, Apotheken, Krankenhäuser und Krankenkassen miteinander verbinden wird.

Was lange eine Vision war, beginnt nun langsam, Realität zu werden. In mehreren Regionen in Deutschland laufen bereits erste Tests mit Patientenchipkarten und elektronischen Arztausweisen, die Medizinern den Zugriff auf die Daten erlauben. In den Messehallen können sich Interessierte über E-Rezepte, Patientenakten und die Fortschritte in den Testregionen informieren.

Für Ärzte vielleicht noch interessanter sind die Informationsmöglichkeiten über Praxis-EDV-Systeme. Viele Hersteller sind an den Tests für die E-Card direkt oder indirekt beteiligt. Denn eins ist klar: Ohne eine einfache und vor allem mit dem Arztalltag kompatible Umsetzung von Kartenfunktionen wie dem elektronischen Rezept oder den elektronischen Notfalldaten in den EDV-Systemen der Ärzte läuft bei der elektronischen Gesundheitskarte gar nichts.

EDV-Dinosaurier genügen den Anforderungen nicht mehr

Daß eine vor Angriffen und Ausspähversuchen sichere Verbindung der Praxis-EDV mit dem Medizinnetz, der sogenannten Telematikinfrastruktur, gewisse Anforderungen an die EDV-Systeme stellt, ist klar. EDV-Dinosaurier aus den Zeiten von MS-DOS werden diesen Anforderungen nicht genügen und müssen deswegen ausgetauscht werden. Auch bei alten Windows-EDV-Systeme der Generationen Windows 95 und 98 könnte es zu Problemen kommen. Der Aufwand, den die EDV-Umstellung für viele Ärzte bedeuten wird, ist nicht zu unterschätzen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung hat überschlagen, dass etwa 30 000 bis 35 000 Praxen ihre EDV erneuern müssen. Wenn, wie geplant, im Lauf des Jahres 2006 mit der Ausgabe der neuen Karten begonnen wird, dann müßte diese EDV-Erneuerungswelle bis zur nächsten Medica fast abgeschlossen sein. Wer zu den Ärzten gehört, die umrüsten müssen, der kann sich in Halle 17 so umfassend informieren wie nirgendwo sonst.

Wie wird sie aussehen, die Arztpraxis im Netz? Kernelement von Praxen, die mit der elektronischen Gesundheitskarte „online gehen“, ist eine kleine Box, die von außen einer ISDN-Box oder einem DSL-Modem nicht unähnlich sein wird. Sie hängt mit einem Ende an der Telefonbuchse, am anderen Ende am Praxiscomputer. Diese Konnektor genannte Box öffnet nur dann den Weg ins Medizinnetz, wenn sie zusammen mit dem Arzt, der sie benutzt, registriert ist. Zusätzlich sind moderne Kartenlesegeräte vonnöten, die für eine Übergangszeit sowohl mit der Gesundheitskarte als auch mit der Krankenversichertenkarte klarkommen müssen. Denn daß alle Versichertenkarten gleichzeitig gegen die neuen Gesundheitskarten ausgetauscht werden, ist unrealistisch.

Das Ticket für Ärzte ist der neue Heilberufeausweis

Die zweite wichtige Neuerung für Ärzte ist neben dem Konnektor der elektronische Heilberufeausweis. Wenn die Gesundheitskarte die Eintrittskarte der Versicherten ins Medizinnetz ist, dann ist der Heilberufsausweis das Ticket für den Arzt. Die Fäden in der Hand hat hier die Bundesärztekammer, deren Ziel es ist, den Ärzten so viel Aufwand zu ersparen wie nur möglich.

Die Kammer hat ein Konzept erarbeitet, das vorsieht, daß Ärzte ihren Heilberufsausweis papierlos bei ihrer Ärztekammer beantragen und dabei einen kommerziellen Zertifizierungsdiensteanbieter (ZDA) auswählen, der zuvor von den Ärztekammern zugelassen werden müßte. Diese Karten könnten schon bald in „echte“ neue Arztausweise umgewandelt werden. Im Jahr 2006 beginnt dann die Bewährungsprobe für die neue Technik.

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