30/09/2010

Deutsches Kupferinstitut Berufsverband

Gesundheitsschutz: Antimikrobielle Wirkung von Kupfer bietet Sicherheit

Infektionsfolgeschäden gesundheitlicher und/oder finanzieller Art nehmen im Gesundheitswesen zunehmend dramatische Ausmaße an. Eine Hauptursache für diese Entwicklung stellen Antibiotika resistente Bakterien-Stämme dar, die sich weiter auf dem Vormarsch befinden und den Erfolg entsprechender Vorbeugungs- oder Behandlungmaßnahmen gefährden. Als Erfolg versprechend im Kampf gegen die weitere Ausbreitung Antibiotika resistenter Erreger kann nur ein Multi-Barriere System gelten, welches auf Resistenz-Überwachung, restriktivem Antibiotikaeinsatz und vor allem umfangreichen Hygienemaßnahmen fußt. Als ein zusätzlicher Baustein in einem solchen System bietet sich der Einsatz spezifischer Kupferlegierungen für hoch frequentierte Kontaktoberflächen an, da gefährliche Keime durch die antimikrobiellen Eigenschaften dieser Kupferwerkstoffe inaktiviert werden. Anknüpfend an weltweit durchgeführte Studien haben heute inzwischen zahlreiche Hersteller das Potenzial antimikrobieller Kupferlegierungen für die Gesundheitswirtschaft erkannt und erste Medizin- und Bauprodukte gefertigt, die im Health und Care-Bereich zum Einsatz kommen: das Portfolio reicht vom Inhalationsgerät über Türbeschläge bis hin zu Lichtschaltern und Sanitärarmaturen. Die in den letzten Jahren stetig zunehmenden Zahl der Antibiotika resistenten Keime wie z.B. MRSA (MRSA steht für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus). bereitet gerade im Gesundheitswesen zunehmend größere Probleme.
Nach seriösen Schätzungen treten allein in deutschen Krankenhäusern jährlich mehr als eine halbe Million so genannter nosokomialer – also in der Klinik erworbener – Infektionen auf. Europaweit sind es nach Angaben des Europäischen Zentrums für Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) drei Millionen Fälle, wovon 50.000 tödlich verlaufen. Eine besonders große Gefahr geht dabei von Antibiotika-resistenten Keimen wie MRSA aus (MRSA steht für Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus).

Bei der Suche nach Lösungen für dieses Problem hat man sich an eine altbekannte Eigenschaft von Kupferwerkstoffen erinnert: Kupfer und Kupferlegierungen wirken antimikrobiell und sorgen damit dafür, dass die Weitergabe von Keimen über Kontaktoberflächen bzw. –Gegenstände erheblich reduziert wird. Solide Untersuchungsergebnisse in weltweiten klinischen Studien zeigen deutlich, dass sich im Labor gewonnene Erkenntnisse auch auf reale Umgebungen übertragen lassen. Verschiedene Krankenhausversuche haben Reduzierungen pathogener Keime von bis zu 99 % auf Gegenständen aus Kupferwerkstoffen gegenüber herkömmlichen Materialien aufgezeigt.
Häufig berührte Oberflächen sind beispielsweise Türklinken und Lichtschalter. Aber auch Ausrüstungsgegenstände wie Tischrollwagen oder Krankenhausbetten stellen potentielle Übertragungspfade dar, die von Patienten, aber auch vom Personal und den Besuchern angefasst werden. Des Weiteren gelten Waschräume, Toiletten, Haltegriffe und Handläufe als mögliche Quellen bei der Weitergabe gefährlicher Keime.
Vorreiter im Medizinproduktebereich ist hier die Firma HEYER Medical AG, die Kupfer in medizinischen Geräten der Inhalation und Anästhesie einsetzt. Bereits zugelassen ist das Inhalationsgerät Heyer maris III, das mit einer Komponente aus einer Kupferlegierung ausgestattet ist. Ziel ist es, dank der antimikrobiellen Eigenschaft dieses Materials eine noch höhere Patienten- und Anwendersicherheit in Bezug auf hygienische Aspekte gewährleistet zu sehen.Für die Anwendung im maris III wurden interne aerosolführende Komponenten, die bislang aus Edelstahl gefertigt wurden, durch antimikrobielle Kupferlegieru-gen ausgetauscht. Die Verringerung des Keimwachstums im Geräteinnern erhöht insbesondere bei Langzeitanwendungen die Sicherheit des Patienten. In der Entwicklung befindet sich außerdem ein neuartiger Anästhesiearbeitsplatz, bei dem Kupferlegierungen bei den Gerätegriffen und Arbeits-oberflächen verwendet werden. Auch hier nutzt Heyer Medical die Forschungserkenntnisse, nach denen Kupfer das Keimvorkommen an berührungsintensiven Oberflächen reduziert. Für den medizintechnischen Markt sieht das Unternehmen in den antimikrobiellen Kupferlegierungen noch ein großes Potenzial.
Weniger im unmittelbaren medizinischen Einsatz, denn im Patienten- und häuslichen Umfeld sehen auch zahlreiche Bauproduktehersteller den hygienischen Nutzen der antimikrobiellen Kupferlegierungen.

Die im Baubeschlag tätige Firma Wilhelm May GmbH hat sich ebenfalls des Themas der indirekten Kontaktübertragung mittels Oberflächen und Gegenständen angenommen und konnte bereits beim Einsatz im Krankenhaus-Versuch in der Asklepios Klinik Hamburg-Wandsbek die Wirksamkeit ihrer Produkte nachweisen. Eine komplette Station wurde mit cleanic® Kupfertürklinken ausgestattet. Die Auswertung der Testergebnisse zeigte eine erhebliche Reduktion der Keime innerhalb kurzer Zeit.
Die Türklinken des Unternehmens werden aus massivem Kupfer hergestellt. Im Gegensatz zu einfachen, sich mit der Zeit abnutzenden Beschichtungen mit bioziden Inhaltsstoffen, wie sie durchaus schon eingesetzt werden, bieten massive Kupferlegierungen aus Messing oder Bronze ein unerschöpfliches Reservoir für die hochwirksamen Kupfer-Ionen und weisen damit eine besonders nachhaltige Effizienz auf.

In eine ähnliche Richtung denkt auch die Firma Berker GmbH & Co KG, die auf der im April stattgefundenen Messe „Light+Building“ erstmals ein Schalterprogramm aus einer antimikrobiellen Kupferlegierung vorgestellt hat. Seit Juli sind Schalter und Steckdosen aus diesem Material erhältlich. Das Arsys Kupfer Med-Programm ist demzufolge vorrangig für den Einsatz im Gesundheitsbereich und in öffentlich zugänglichen Gebäuden wie Schulen oder Arztpraxen gedacht, kann natürlich aber auch im Privathaushalt eingesetzt werden. Ähnlich wie der Beschlaghersteller May konnte Berker erste Erfahrungen mit der antimikrobiellen Wirksamkeit von Kupfer im Asklepios-Krankenhausversuch machen.

Als weiterer Hot-Spot der indirekten Kontaktübertragung gilt allgemein auch der Sanitärbereich. Auch hier gibt es erste Ansätze, Kupferlegierungen einzusetzen. Neben den handelsüblichen Griffen oder Toilettendeckeln bieten sich insbesondere Sanitärarmaturen an. Die Hansa Metallwerke AG als einer der führenden Sanitärarmaturenhersteller arbeitet mit Hochdruck an einer entsprechenden Produktlinie.

Im Bereich von Gesundheit und Pflege sieht das Deutsche Kupferinstitut deshalb zahlreiche Anwendungsfelder, in denen die antimikrobiellen Eigenschaften des Werkstoffes zum Tragen kommen können. Im Fokus stehen dabei neben den häufig berührten Oberflächen wie Türklinken oder Lichtschaltern ebenfalls Handläufe und Badezimmerarmaturen. Aber auch Computertastaturen oder sogar Krankenhausbetten lassen sich durchaus in einer entsprechenden Kupferlegierung ausführen.