Gewinnung von Gesundheitsdaten – Erster Schritt für einen Standard in Europa

25.10.2016

Warum ernähren sich Menschen ungesund und bewegen sich zu wenig? Antworten auf diese Fragen hat das europäische Netzwerk DEDIPAC gefunden und bei seinem Abschlusssymposium in Bonn diskutiert. Ein wichtiges Ergebnis des dreijährigen Forschungsvorhabens: Das BIPS konnte sich mit Vertreterinnen und Vertretern der bestehenden länderübergreifenden Initiativen erstmalig auf ein Konzept einigen, mit dem europaweit die gleichen Standards für die Gewinnung von Gesundheitsdaten eingeführt werden können. Damit sollen die Möglichkeiten zur Ermittlung von Krankheitsursachen und zur Bewertung von gesundheitspolitischen Maßnahmen im Bereich der Krankheitsvorbeugung deutlich verbessert werden.

Bild: EU-Flagge, im Zentrum ein Stethoskop; Copyright: panthermedia.net/lucianmilasan

Um Krankheitsursachen und Gegenmaßnahmen auch länderübergreifend zu ermitteln, ist ein Konzept für die Vereinheitlichung europäischer Gesundheitsdaten notwendig; © panthermedia.net/lucianmilasan

Das DEDIPAC Netzwerk (Determinants of Diet and Physical Activity Knowledge Hub) ist das erste Projekt der europäischen Initiative "Eine gesunde Ernährung für ein gesundes Leben". Es vereint ca. 300 Forscherinnen und Forscher aus 70 Forschungsinstituten in 13 europäischen Ländern, welche unter anderem biomedizinische, verhaltenswissenschaftliche, epidemiologische und ökonomische Expertise in das Netzwerk einbringen. Das Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie – BIPS war im dreijährigen Forschungsvorhaben an mehreren Arbeitspaketen maßgeblich beteiligt.

Im Rahmen von DEDIPAC wurde zunächst die Frage geklärt, wie gut oder schlecht die vorhandene Datenlage zu Ernährungs- und Bewegungsverhalten einzuschätzen ist. Diese Inventarisierung bestehender Systeme zur Gesundheitsberichterstattung in Europa hat ergeben, dass es viele nationale und auch einige länderübergreifende Initiativen gibt, die jedoch schlecht miteinander vergleichbar und häufig auf eine eng umgrenzte Altersgruppe oder ein bestimmtes Themengebiet beschränkt sind. Während beispielsweise Ernährungsindikatoren häufig erfasst werden, werden kaum verlässliche Informationen über das Ausmaß des sitzenden Verhaltens in der Allgemeinbevölkerung gesammelt.

Um diese Lücke zu schließen, hat das BIPS mit seinen Partnern eine neue Messmethode entwickelt und an Schulen erprobt, mit der zukünftig sitzendes Verhalten bei Schulkindern in ganz Europa besser erfasst werden kann. Das neue Instrument besteht aus Fragebögen, welche die Dauer des Sitzens während vielfältiger Aktivitäten, wie beispielsweise während der Hausaufgaben oder während der Fahrt mit dem Bus zur Schule, erfassen. Die Entwicklung dieses Messinstrumentes könnte ein erster Schritt auf dem Weg zu einem europaweit einheitlichen Gesundheitsberichterstattungs-System sein, das international vergleichbare Daten über Verhalten und ihre Einflussfaktoren liefert.

Um einen neuen einheitlichen Ansatz zu erarbeiten, hat das BIPS sich mit Vertreterinnen und Vertretern der bestehenden länderübergreifenden Initiativen erstmalig auf ein Konzept geeinigt, mit dem unter Berücksichtigung der vorhandenen Strukturen eine nach länderübergreifend einheitlichen Maßstäben durchgeführte Sammlung von Gesundheitsdaten insbesondere bei Kindern und Jugendlichen in Europa eingeführt werden kann. Ein einheitliches System ist notwendig, um zukünftig regionale Unterschiede und zeitliche Trends zwischen allen europäischen Ländern ermitteln zu können und um festzustellen, ob gesundheitspolitische Maßnahmen zur Krankheitsvorbeugung die gewünschten Erfolge haben. Nur so kann die Wirksamkeit politischer Präventionsmaßnahmen auf europäischer Ebene überregional bewertet werden. Ein Beispiel aus dem Ernährungsbereich wäre etwa die höhere Besteuerung von zuckerreichen Lebensmitteln.

Die deutsche Beteiligung am Netzwerk DEDIPAC wird vom "Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)" gefördert.

MEDICA.de; Quelle: Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie - BIPS
Mehr über das BIPS unter: www.bips-institut.de