In der Krebsbekämpfung werden zunehmend radioaktive Stoffe benutzt, die sich gezielt in Tumoren anhäufen und somit deren Diagnose und Strahlentherapie erlauben. Die frühzeitige Diagnose und gezielte Radiotherapie von bestimmten Tumorerkrankungen ist mittels "gezielter" Andockung von hochspezifischen und selektiven radioaktiven Molekülen an die Tumorzellen möglich. Diese radioaktiven Moleküle, so genannte Agonisten, können Rezeptoren auf der Tumor-Zelloberfläche aktivieren, was ein Einschleusen dieser Moleküle ins Zellinnere bewirkt. Somit wird der Tumor wegen der hohen Radioaktivität-Aufnahme sichtbar gemacht und die Tumorzellen selber werden durch die Bestrahlung zerstört.

Eine andere Art von Molekülen, so genannte Antagonisten, docken ebenfalls an Rezeptoren auf der Oberfläche von Krebszellen an, werden aber mit ihrer radioaktiven Ladung nicht ins Zellinnere eingeschleust - sie bleiben an der Zelloberfläche. Antagonisten galten deshalb bisher als ungeeignet für das gezielte Bestrahlen von Tumoren.

Nun haben Forscher der Universitäten Bern und Basel synthetische Antagonisten entwickelt. Diese wurden radioaktiv aufgeladen und im Vergleich zu den üblichen Agonisten in Tierversuchen getestet. Das überraschende Resultat: Das Krebsgewebe nahm radioaktive Antagonisten sehr viel effektiver auf als Agonisten. Es wurde ein Aufnahmewert von 60% der injizierten Dosis gemessen - ein Wert, der selbst mit den neuesten Agonisten nicht erreicht werden konnte. Hinzu kommt, dass die Strahlendosis im gesundem Gewebe und den Nieren im Vergleich zum Tumor viel niedriger war als beim Einsatz von Agonisten.

Grund für die verbesserte Tumormarkierung könnte sein, dass die radioaktiven Antagonisten an sehr viel mehr Rezeptoren an der Zellmembran andocken als die Agonisten. Antagonisten bleiben zwar an der Zellmembran, es scheint jedoch nicht notwendig zu sein, dass sie in das Zellinnere eingeschleust werden, um eine erfolgreiche Tumormarkierung zu bewirken.

MEDICA.de; Quelle: Universität Bern