Mediziner vom University of California, Los Angeles Stroke Center, haben alle Studien in englischer Sprache zur Behandlung des akuten ischämischen Insults untersucht, die zwischen 1955 und 1999 durchgeführt wurden. Dies waren 178 publizierte Studien, an denen insgesamt 73.949 Personen teilgenommen hatten. 75 Wirkstoffe oder nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden wurden in diesen Studien untersucht. Außerdem fanden die Wissenschaftler vier Studien, die niemals publiziert wurden.

Von jenen vier unveröffentlichten Studien ergaben drei (75 Prozent) ein negatives Ergebnis: Die Studienautoren selbst waren in diesen Studien zum Ergebnis gekommen, dass der untersuchte Wirkstoff oder Handlungsansatz eher schädlich als nützlich war. In der vierten unveröffentlichten Studie zeigte das untersuchte Medikament weder einen positiven noch negativen Effekt. Anders die publizierten Studien: Nur elf von ihnen (6 Prozent) zeigten negative Studienergebnisse.

Interessantes Nebenergebnis der amerikanischen Studie: Jene Untersuchungen, die nicht publiziert wurden, waren eher kleine Studien, während größere Studien mit einer höheren Wahrscheinlichkeit publiziert wurden.

Beruhigend immerhin ein anderes Nebenergebnis: Die Finanzierung einer Studie hatte offenbar keinen Einfluss auf das Ergebnis.

Natürlich kann man gegen die Studie der kalifornischen Wissenschaftskritiker einwenden, dass die Zahl von vier unpublizierten Studien versus immerhin 178 publizierten Studien innerhalb von 45 Jahren nicht sehr hoch ist. Dennoch beharren die Kalifornier darauf, dass dies einen „publication bias“ darstellt: Negative Daten nicht zu veröffentlichen nehme Ärzten, Patienten und anderen Wissenschaftlern die Chance, aus diesen negativen Ergebnissen zu lernen, schreibt Studienleiter Dr. David S. Liebeskind.

MEDICA.de; Quelle: Neurology 2006, Vol. 67, S. 973-979