Zum Zusammenhang von Religiosität und Depression gibt es in Europa kaum Untersuchungen. In einer Studie untersuchten Wissenschaftler nun verschiedene Dimensionen von Religiosität bei älteren Menschen mit majorer Depression während stationärer Behandlung und im Drei-Monatsverlauf. 80 Patienten im Alter von 59 bis 85 Jahren im Durchschnittsalter von 72,4 Jahren nahmen daran teil.

Zur Diagnosestellung, Einschätzung des Schweregrades und der Lebensqualität setzten die Wissenschaftler verschiedene klinische Fremd- und Selbsteinschätzungsskalen (MADRS, GDS, CGI, GAF, EQ5D, SCL-9-K) ein. Die religiöse Motivation wurde mit dem Münchner Motivationspsychologischen Religiositäts-Inventar, die religiöse Handlungs- und Deutungspraxis mit einer adaptierten Form des Brief Multidimensional Measure of Religiousness/ Spirituality erfasst.

Religiös stärker motivierte Patienten zeigen eine geringere Depressionsschwere (MADRS-Durchschnittswert: 28,8) sowie eine geringere subjektiv erlebte depressive Symptomatik (GDS-Durchschnittswert: 7,9) als geringer religiös motivierte Patienten (33,4 beziehungsweise 10,0). Negatives religiöses Coping geht mit einer stärkeren Depressivität einher. Patienten, deren depressiver Schweregrad geringer eingeschätzt wird und die sich ebenfalls weniger depressiv beurteilen sind häufiger privat religiös und beten zum Beispiel.

Jene Patienten, die eine geringere depressive Symptomatik erleben zeigen eine stärkere Beziehung zu Gott und mehr prosoziale, religiöse und intellektuelle Verantwortung. Außerdem berichten sie über mehr tägliche religiöse Erfahrungen. Die soziale Unterstützung, im religiösen wie im privaten Kontext, scheint keinen Einfluss auf die Depressivität zu haben.

MEDICA.de; Quelle: Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) S-042-02