Glutamat verbessert das Gedächtnis

Foto: CT-Aufnahme eines Gehirns

Forscher zeigen, dass Glutamat
nicht immer schädlich ist;
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Glutamat ist ein Botenstoff, durch den Nervenzellen untereinander kommunizieren. Das Glutamat ist insbesondere für das sensorische Gedächtnis relevant und scheint es spezifisch zu beeinflussen. Das sensorische Gedächtnis kann man als eine Art Zwischenspeicher verstehen, der zwischen die allgemeine sensorische Analyse einkommender Informationen und das Kurzzeitgedächtnis geschaltet ist. Aufgrund des spezifischen Einflusses von Glutamat auf sensorische Gedächtnisleistungen könnten speziell diese Funktionen bei einer erhöhten Aktivität des Glutamatsystems verbessert sein.

Die erhöhte Freisetzung von Glutamat wird als ein möglicher krankheitsauslösender Mechanismus bei Morbus Huntington diskutiert. Die Krankheit ist eine vererbte, neurologische Erkrankung, die durch unkontrollierte Überbewegungen und einen Verfall kognitiver Funktionen bis hin zur Demenz gekennzeichnet ist.

Um die Funktion des sensorischen Gedächtnisses zu prüfen, stellten Neurowissenschaftler der Ruhr-Universität und des Leibniz Research Centers in Dortmund Patienten mit Morbus Huntington, die schon Krankheitssymptome zeigten, Menschen, die das entsprechende Gen tragen, aber noch keine Symptome hatten, und eine gesunde Kontrollgruppe vor dieselbe Aufgabe. Sie spielten den Probanden jeweils Töne in drei verschiedenen Höhen und zwei verschiedenen Längen vor. Die Testpersonen sollten mittels Daumendruck links bestätigen, wenn der Ton lang war, mittels Daumendruck rechts, wenn er kurz war, unabhängig von der Tonhöhe. Die Tonhöhe wurde ebenfalls variiert, was dazu führt, dass selten auftretende, abweichende Töne Prozesse des sensorischen Gedächtnisses auslösen.

Es zeigte sich, dass die Huntington-Patienten, die schon Symptome der Krankheit aufwiesen, schneller reagierten und weniger Fehler machten als die beiden anderen Gruppen. Neurophysiologische Aktivitäten, die Prozesse des sensorischen Gedächtnisses widerspiegeln, waren ebenfalls verstärkt. Im Gegensatz zu allen anderen kognitiven Funktionen waren also die Funktionen des sensorischen Gedächtnisses bei symptomatischem Morbus Huntington verbessert.

MEDICA.de; Quelle: Ruhr-Universität Bochum