In etwa 30 Prozent der Lebertransplantationen kommt es unmittelbar nach dem Eingriff zur Funktionsstörung des Organs, der nicht durch die Abstoßung des fremden Organs verursacht wird. Oft hilft nur noch eine erneute Transplantation.

Ein wichtiger Faktor ist bereits die unumgängliche chirurgische Manipulation des Organs bei seiner Entnahme, hat Dr. Peter Schemmer, Oberarzt an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg, ermitteln können:. Sie kann die Durchblutung der Leber beeinträchtigen und das Immunsystem aktivieren, so dass die Leberzellen durch zusätzlichen Sauerstoffmangel geschädigt werden, so seine Studienergebnisse.

Schemmer und seine Kollegen verwendeten ein Tiermodell, das die Lebertransplantation beim Menschen simuliert. Sie stellten fest, dass die Reperfusionsschäden, schon bei der Organentnahme ausgelöst werden. "Wenn die Leber aus seiner Verankerung im Organspender gelöst wird und für die Transplantation vorbereitet wird, werden Nervenzellreize ausgelöst, Kupferzellen aktiviert und Substanzen freigesetzt, die die Durchblutung und damit die Sauerstoffversorgung verschlechtern", erklärt Schemmer.

Ein zweiter Mechanismus kommt zum Tragen, wenn die Leber transplantiert ist. Dann sorgen die bereits aktivierten Kupferzellen, Immunzellen in der Leber, dafür, dass weitere potente Substanzen ausgeschüttet und die Leberzellen geschädigt werden. Außerdem wird der Energievorrat der Leber, das Gykogen, rapide abgebaut. Diese Vorgänge führen dazu, dass das transplantierte Organ unter Umständen nur schlecht oder gar nicht seine Funktion aufnimmt.

Schemmer und sein Forschungsteam glauben, dass die unschädliche Aminosäure Glycin die Aktivierung der Kupfferzellen verhindert, da sie den Einstrom von Chlorid-Ionen auslöst. Nach erfolgreichen Tests im Tierversuch haben die Heidelberger Chirurgen eine klinische Studie gestartet, an der 130 Empfänger von Lebertransplantaten teilnehmen sollen.

MEDICA.de; Quelle: Universität Heidelberg