Wirtschaftlich betrachtet könnte der genveränderte "Goldene Reis" die kostengünstigste Variante sein, den Vitamin-A-Mangel und seine Folgekrankheiten vor allem in armen Ländern zu bekämpfen. Zu diesem Ergebnis kommt ein neu entwickeltes Simulationsmodell von Agrarökonomen der Universität Hohenheim, das erstmals auch lokale Essgewohnheiten, Gesundheitszustand und die Zugehörigkeit zu armen oder reichen Gesellschaftsschichten berücksichtigt, neue Züchtungen einbezieht und neueste Ergebnisse aus Biomedizin zu Grunde legt

Beim "Golden Rice" handelt es sich um eine gentechnisch veränderte Reisvariante, die eine Vorstufe von Vitamin A enthält. Bei der Akzeptanz des neuen Nahrungsmittels gehen Qaim und Stein von verschiedenen Szenarien aus: "Um Golden Rice populär zu machen, ist sicher ein entsprechendes Marketing nötig. Wir haben angenommen, dass bestenfalls die Hälfte des Reiskonsums durch Golden Rice gedeckt wird, im schlechtesten Fall nur zirka 15 Prozent", urteilt Qaim.

Ein vielversprechendes Ergebnis habe die Hochrechnung laut Dr. Stein trotz aktueller Restunsicherheiten: "Wir gehen davon aus, dass sich der Vitamin-A-Mangel speziell in Indien durch Golden Rice um 10 bis 60 Prozent reduzieren ließe. Die Kindersterblichkeit könnte um bis zu 40.000 Todesfälle pro Jahr gesenkt werden - und das zu Kosten, die bei nur 3 bis 15 Prozent konventioneller Gesundheitsmaßnahmen liegen. Unter optimistischen Annahmen würde es mit Golden Rice nur 54 Dollar kosten, ein Leben zu retten, und selbst unter pessimistischen Annahmen lägen die Kosten bei nur 358 Dollar."

Ein Allheilmittel gegen Mangelernährung möchten die Agrarökonomen im genveränderten "Golden Rice" dennoch nicht sehen. "Im medizinischen Bereich sind noch weitere Versuche auf größerer Basis nötig, um mehr über die Bioverfügbarkeit zu lernen", sagt Prof. Qaim.

MEDICA.de; Quelle: Universität Hohenheim