Seit einigen Jahren ist das „Golfkriegs-Syndrom“ (gulf war syndrome) Thema in der neurologischen Fachwelt: Nach dem ersten Golfkrieg Anfang der 90er Jahre klagten US-Soldaten, die dort gedient hatten, über verschiedene neurologische Beschwerden wie etwa Schlaflosigkeit, Gereiztheit und anderes. Lange war unklar, wie relevant diese Beschwerden sind und ob ihnen tatsächlich ein organisches Korrelat zu Grunde liegt.

Dies scheint so zu sein, wie jetzt auf der Jahrestagung der „American Academy of Neurology (AAN)“ bekannt wurde. Eine Arbeitsgruppe um Dr. Roberta White von der Boston University School of Public Health stellte dort eine Studie mit 36 Golfkriegsveteranen vor, die über verschiedene neurologische Beschwerden geklagt hatten und daraufhin in der Magnetresonanztomographie (MRI) untersucht wurden. 18 der Betroffenen klagten über starke Beschwerden, 18 weitere über nur geringfügige Beschwerden.

Wie sich zeigte, war bei den 18 stark betroffenen Veteranen der Bereich des rostralen anterioren Cingulum um durchschnittlich fünf Prozent kleiner als bei den 18 Vergleichspersonen mit geringen neurologischen Symptomen. Das Gesamtvolumen des Kortex lag sogar um sechs Prozent darunter. Auch das posteriore Cingulum und der Nucleus caudatus scheinen betroffen zu sein.

Jene Ex-Soldaten, die besonders stark betroffen sind, schneiden zudem schlecht in verschiedenen Sprachtests ab. So ist das Ergebnis im California Verbal Learning Test (CVLT) bei ihnen etwa 15 Prozent schlechter als bei Gering-Betroffenen.

Nach Ansicht der Studienautoren mehren sich damit die Hinweise, dass den Beschwerden tatsächlich körperliche Veränderungen zu Grunde liegen. Schon zuvor hatte es Studien gegeben, die eine höhere Inzidenz von Amyotropher Lateralsklerose und Hirntumoren als Folge des Golfkrieg-Syndroms fanden.

MEDICA.de; Quelle: 59th American Academy of Neurology Annual Meeting Abstract P01.020