Gonarthrose als Berufskrankheit anerkennen

Die Arbeitsmedizinerin Professor Gine Elsner von der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main) plädiert dafür die Gonarthrose als Berufskrankheit anzuerkennen. Sie fand in eigenen Studien einen signifikanten Zusammenhang zwischen kniender Tätigkeit und einem Verschleiß des Kniegelenks.

Anfang der 1950er Jahre wurden die Meniskusschäden in die Berufskrankheitenliste aufgenommen, weil insbesondere Bergarbeiter wegen der knienden Tätigkeit in niedrigen Stollen ein erhöhtes Risiko haben, einen Meniskusschaden zu bekommen. Bei einer knienden Tätigkeit wird aber nicht nur der Meniskus beeinträchtigt, sondern das gesamte Kniegelenk. Das schließt Elsner aus einer Fall-Kontrollstudie, bei der 295 Patienten mit einer fortgeschrittenen Gonarthrose hinsichtlich ihrer lebenslangen Belastungen mit 328 Kontrollpersonen verglichen wurden.

Sowohl die Patienten als auch die gesunden Kontrollpersonen wurden zu ihren lebenslangen beruflichen Belastungen und außerberuflichen Faktoren befragt. Von den Fällen gaben 21 Prozent an, in ihrem Leben mehr als 10.800 Stunden auf den Knien, in der Hocke oder im Fersensitz gearbeitet zu haben; im Vergleich dazu gaben nur rund fünf Prozent der gesunden Kontrollpersonen an, so oft in kniebelastenden Positionen tätig gewesen zu sein. Damit ist bei einer Belastungsdosis von fast 11.000 Stunden in diesen Stellungen das Risiko, eine Gonarthrose zu entwickeln, mehr als doppelt so groß wie bei nicht-belastenden Tätigkeiten. Diese Belastungsdosis kommt der vom Sachverständigenbeirat vorgeschlagenen Zahl von 13.000 Stunden sehr nahe.

Würde die Gonarthrose als Berufskrankheit anerkannt, dann müssten die Renten und Heilmaßnahmen für die Geschädigten aus der Unfallversicherung bezahlt werden. Sie gingen also ausschließlich zu Lasten der Arbeitgeber.

MEDICA.de; Quelle: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt (Main)