05/07/2011

timm-Clustermanagement, TransMIT GmbH

Grünes Licht für Netzwerkinitiative timm

Das Projektteam beim Auftakttreffen bei der IfM GmbH
Beispielhaft ist die Zusammenarbeit des Ingenieurbüros für Medizintechnik (IfM) in Wettenberg und der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM). Beide Partner bringen ihr Know-how in die Entwicklung eines Online-Monitoring-Systems für Geräte aus der Beatmungsmedizin ein. Das Projekt wird jetzt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms für den Mittelstand (ZIM) mit 250.000 EUR gefördert.

Die fortschreitende Entwicklung in der Medizintechnik macht es möglich, dass Menschen mit chronischen Erkrankungen der Lunge oder Schlaf-Atemstörung, die auf eine Beatmung angewiesen sind, zunehmend in ihrer häuslichen Umgebung therapiert werden können. Die Erwartungen richten sich hierbei auf die Verlängerung der Lebenserwartung bei gleichzeitiger Verbesserung der Lebensqualität insbesondere von älteren und chronisch kranken Menschen. Die Sicherstellung der häuslichen Versorgung mit modernen medizintechnischen Geräten und die Qualitätssicherung der Heimbeatmung gehören zu den Kernkompetenzen der IfM GmbH aus Wettenberg. Das mittelständische Unternehmen, das im vergangen Jahr sein 25 jähriges Firmenjubiläum beging, vertreibt und entwickelt medizintechnische Produkte mit dem Schwerpunkt Atemtherapien und ist als bundesweiter Servicedienstleister erfolgreich in der klinischen- und außerklinischen Beatmung tätigt. „Noch bis Ende der neunziger Jahre war es eher eine Ausnahme in Deutschland, dass langzeitbeatmete Menschen außerhalb eines Krankenhauses betreut wurden, in der Folge haben wir unser Produktprogramm im Home-Care-Bereich kräftig ausgeweitet, zunächst um die Atemtherapie, die Sauerstoffversorgung und die Versorgung von Patienten mit Flüssigsauerstoff, so dass unsere Techniker und Mitarbeiter vor Ort heute mehr als 12.000 Geräte im gesamten Bundesgebiet betreuen“, erklärt IfM-Geschäftsführer Lothar Leiche beim Auftakttreffen der Projektpartner in Wettenberg.

Im Fokus der Entwicklungsarbeiten des Förderprojektes stehen die Qualitätssicherung und die optimale Versorgung der Patienten im Home-Care-Bereich. Mittels einer Ferndiagnose von Therapie- und Diagnosegeräten sollen technische Komplikationen und Fehler schon im Vorfeld erkannt und dadurch die Versorgung der Patienten sicherer gemacht werden. Ziel ist es, verschlüsselte Gerätedaten über ein neues Monitoring – Modul drahtlos an eine virtuelle Leitstelle zu übermittelt, die in der Forschergruppe von Professor Dr. Volker Groß am Fachbereich Krankenhaus- und Medizintechnik, Umwelt und Biotechnologie an der THM in Gießen eingerichtet wird. Die Wissenschaftler entwickeln ein Entscheidungssystem im Sinne einer künstlichen Intelligenz mit entsprechend ausgelegter Hard- und Software, um die Daten auszuwerten und zuzuordnen. Die so gelenkten Gerätedaten werden dann an die IfM GmbH übertragen. Nach Dekodierung der Signale können bei dem Serviceunternehmen die vielen tausend Therapiegeräte beobachtet und Qualitätsparameter online beurteilt werden. Damit kann das Risiko eines Geräteausfalls, Fehlbedienungen oder fehlende Wartung direkt beeinflusst und deutlich minimiert werden. Es entfällt damit ein großer organisatorischer und logistischer Aufwand, der bisher erforderlich war, was sich als sehr wertvoll auf einen flächendeckenden, zeitnahen Gerätesupport auswirken wird. „Mit dem Konzept eines Online-Monitorings von Sauerstoffkonzentratoren und Beatmungsgeräten werden teure Anfahrten und zeitraubende Fehlerdiagnosen durch Fachpersonal vor Ort überflüssig. Wir erwarten von der Zusammenarbeit mit der THM hinsichtlich des technischen Supports, des Geräte- und des Notfallmanagements neue technische Lösungen und optimierte Serviceprozesse, und ein Bauelement, das universell an verschiedene Beatmungsgeräte adaptiert werden kann“, so Lothar Leiche.

Die virtuelle Leitstelle hat die Aufgabe eine anonyme Bewertung der Daten zu gewährleisten. Eine Zuordnung zu den entsprechenden Patienten erfolgt in der virtuellen Leitstelle nicht, so dass die Anonymität und der Datenschutz gewährleistet bleiben. Die Entwicklungen an der Technischen Hochschule Mittelhessen werden allerdings so ausgelegt werden, dass für eine spätere Umsetzung auch Vitalparameter, wie die Sauerstoffsättigung, gefiltert, kodiert und bei Bedarf an den behandelnden Arzt oder an Krankenhausinformationssysteme (KIS) weitergeleitet werden können. Damit wird die Basis für ein Kompetenzzentrum der Diagnostik, dem Monitoring und der Steuerung der Therapie von Patienten geschaffen. „Mit dem Zentrum, so Professor Groß, werde es zukünftig möglich, die medizinische Versorgung von Beatmungspatienten in der Region in hoher Qualität zu gewährleisten“.

Koordiniert werden die verschiedenen Aktivitäten durch das Clustermanagement timm (Technologie & Innovation Medizinregion Mittelhessen). „Mit diesem Projekt ergeben sich auch ganz unmittelbar positive Auswirkungen auf weitere Innovationen in Tele-Homecare und Tele-Monitoring, Teilgebiete der Medizinwirtschaft, denen bei den gegenwärtigen Zwängen, wie Ärztemangel und demographische Veränderungen der Bevölkerungsstruktur, ein erheblicher Stellenwert auch in der Region Mittelhessen zukommt“, erklärt Dr. Andreas Weißflog vom Clustermanagement timm.