Forschung: Grundlage für neuartigen Impfstoff

31.05.2013
Foto: OMV

Erfolgreiches Mittel gegen Atemwegs-
erkrankungen: Außenmembranvesikel unter dem Elektronenmikroskop;
© Universität Graz/Schild-Prüfert

Möglichst preisgünstig, effektiv und leicht zu verabreichen – das sind die wesentlichen Anforderungen an moderne Impfstoffe. Eine Erfindung von Forschern des Instituts für Molekulare Biowissenschaften der Universität Graz erfüllt diese Kriterien.

Bestimmte Gruppen von krankheitserregenden Bakterien verfügen über eine zweite äußere Zellmembran, die abgestoßen werden kann. Dieses so genannten Außenmembranvesikel – kurz OMV – ist das Faksimile des lebenden Bakteriums. „OMVs besitzen exakt die Antigene in der natürlichen Anordnung und sind daher als Impfstoff perfekt geeignet“, erklärt Professor Stefan Schild.

Menschen und Tiere produzieren also Antikörper und Gedächtniszellen, ohne zu erkranken. Dem Biowissenschafter gelang es, unter anderem die abgestoßenen Membranen von Erregern von Atemwegserkrankungen zu isolieren und für weitere Anwendungen bereitzustellen. „Konkret handelt es sich um Stämme der Pasteurellaceae, die zum Beispiel Rindergrippe, Geflügelcholera oder beim Menschen Erkrankungen der oberen Atemwege auslösen“, präzisiert Schild.

Bis dato musste bei betroffenen Tierfarmen in der Regel der gesamte Bestand getötet werden, Menschen konnten nur mit Antibiotika behandelt werden. „Das erhöht aber die Gefahr von Resistenzen signifikant“, ergänzt Professor Joachim Reidl. Besonders bei Menschen, die etwa an der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung COPD leiden, wird dies zunehmend zum Problem.

Da aber die einzelnen Stämme der Pasteurellaceae so unterschiedlich sind, konnte bislang noch kein wirksamer Impfstoff gefunden werden. Eine Behandlung mit OMVs bietet allerdings – so die überraschende Entdeckung des Grazer Forscherteams – umfassenden Schutz gegen verschiedene Erreger derselben Spezies. Ein weiterer enormer Vorteil des neuen Vakzins ist seine Haltbarkeit. „OMVs müssen zudem nicht gekühlt werden, was die Kosten reduziert und den Einsatz in Entwicklungsländern ungemein erleichtert“, betont Reidl. Außerdem kann der Impfstoff oral oder intranasal verabreicht werden. „Diese Methode ist nicht nur für Menschen wesentlich angenehmer, auch Landwirte können das Mittel selbst anwenden – eine zusätzliche Ersparnis“, so Schild.

MEDICA.de; Quelle: Universität Graz