Gummibärchen statt Spritze: Neues Herstellungsverfahren für Peptid- und Proteinwirkstoffe

19/07/2016

Für ein neues Herstellungsverfahren für bestimmte Wirkstoffe, die anstelle schmerzhafter Injektionen künftig oral verabreicht werden können, wird ein Team junger Heidelberger Wissenschaftler im Rahmen des Programms EXIST-Forschungstransfer gefördert: Ihr innovatives Verfahren soll weiterentwickelt werden und die Grundlage für eine Unternehmensgründung bilden.

Bild: Ärztin gibt Kind Gummibärchen in einem Glas; Copyright: panthermedia.net/Arne Trautmann

Nicht nur Kindern würde es gefallen, wenn in Zukunft statt einer Spritze Gummibärchen beim Arzt verabreicht würden; © panthermedia.net/Arne Trautmann

Dafür stellt das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) Fördermittel in Höhe von rund 940.000 Euro zur Verfügung. Mit dem Förderantrag waren Dr. Silvia Pantze und Dr. Frieder Helm vom Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie (IPMB) der Universität Heidelberg erfolgreich. Sie gehören dem Arbeitskreis von Prof. Gert Fricker, Direktor der Abteilung Pharmazeutische Technologie und Biopharmazie am IPMB, an.

Wie der Wissenschaftler erläutert, müssen Peptid- und Proteinwirkstoffe, die beispielsweise in der Behandlung von Diabetes und Wachstumsstörungen oder in der Krebstherapie Anwendung finden, in der Regel durch Injektionen verabreicht werden, was zum Teil sehr schmerzhaft sein kann. Die jungen Forscher im Team von Prof. Fricker haben nun eine Möglichkeit gefunden, die Wirkstoffe so aufzubereiten, dass sie die Größe und Konsistenz eines Gummibärchens annehmen und oral eingenommen werden können. Dazu werden die Wirkstoffe von einem Trägersystem aufgenommen, das auf Lipiden basiert. Dieses System wird in einer sogenannten Matrix verfestigt. Für die angestrebte Unternehmensgründung wird das Forscher-Team ergänzt durch Robin Tremmel, einen weiteren Pharmazeuten aus dem IPMB, sowie einem jungen Wirtschaftswissenschaftler, der für betriebswirtschaftliche Belange zuständig sein wird. Die Arbeiten im Rahmen von EXIST sollen im Oktober beginnen.

Das Programm EXIST-Forschungstransfer des BMWi unterstützt forschungsbasierte Gründungsvorhaben, die mit aufwendigen und risikoreichen Entwicklungsarbeiten verbunden sind, und besteht aus zwei Förderphasen. In der ersten Phase von bis zu 18 Monaten – bei besonders umfangreichen Projekten auch 24 Monate – sollen wissenschaftliche Ergebnisse in technische Produkte und Verfahren überführt und die darauf basierende Geschäftsidee zu einem Businessplan ausgearbeitet werden, um die geplante Unternehmensgründung vorzubereiten. Im Anschluss kann eine zweite Förderphase von ebenfalls eineinhalb Jahren für weitere Entwicklungsarbeiten beantragt werden. Im Fokus stehen hier außerdem Maßnahmen zur Aufnahme der Geschäftstätigkeit. EXIST-Forschungstransfer wird vom Europäischen Sozialfonds kofinanziert.

Die Gründung von Unternehmen aus der Forschung heraus wird vom Gründungsmanagement der Universität Heidelberg sowie dem Verein Heidelberg Startup Partners unterstützt. Das Vorhaben am IPMB war aus zunächst 54 Ideenskizzen als eines von 22 Projekten zur Präsentation vor einer Jury ausgewählt worden. Für 16 Anträge wurde schließlich eine Förderempfehlung an das BMWi ausgesprochen.

 MEDICA.de; Quelle: Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

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