Gut genagelt heilt am besten

Tibiafraktur vor (li.) und nach
(re.) Einsetzen des Nagels
© Uni Mainz

Die schwerwiegendsten Frakturen des Tibia sind Brüche am oberen Ende in der Nähe des Kniegelenks. "Um solche proximalen Frakturen zu stabilisieren, kann der Unfallchirurg beispielsweise Nagel-Implantate in den Knochen einbringen und dort verankern", erklärt Prof. Pol M. Rommens, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Mainz. "Doch das ist nicht immer unproblematisch. Einer der Gründe ist, dass der kleine Knochenteil oberhalb des Bruches sehr instabil ist und oft nicht optimal stabilisiert werden kann. Das verzögert natürlich die Heilung. Auch andere Techniken zur Stabilisierung - etwa Platten oder eine Fixierung von außen - haben ihre Nachteile."

Deshalb haben sich Wissenschaftler an der Mainzer Klinik für Unfallchirurgie daran gemacht, einen speziellen Nagel für proximale Schienbeinbrüche zu entwickeln. So entstand der „Proximale Tibia Nagel (PTN)“. Laut der Unfallchirurgen sei der Clou des neuen Nagels die Anordnung der Schrauben, mit denen der Nagel im Knochen verankert wird.

Im Biomechanik-Labor der Klinik haben die Wissenschaftler den PTN auf Biegen und Brechen getestet. Mit einer speziellen Versuchsanordnung simulierten sie naturgetreu Biege- oder Dreh-Bewegungen des Unterschenkels. So setzten sie den Nagel genau jenen Belastungen aus, denen er alltäglich standhalten sollte.

Die Wissenschaftler verglichen den PTN mit vier Alternativen, die teils bereits in der klinischen Anwendung, teils erst in der präklinischen Phase sind. Am Ende der Testreihen stand für die Chirurgen fest: Der neue PTN ist das zuverlässigste Implantat und hält auch großen Belastungen stand, ohne sich zu verformen oder zu brechen.

Auch erste klinische Tests habe der neue PTN bereits bestanden: So sei der neue Nagel einerseits leichter und sicherer in den Knochen zu implantieren, andererseits verzeichneten die Ärzte eine nur geringe Rate an Fehlstellungen - so könne der Knochen auch schneller und komplikationsärmer heilen.

MEDICA.de; Quelle: Johannes Gutenberg-Universität Mainz