Dass HDL eine wichtige Rolle im Reigen der kardiovaskulären Einflussfaktoren spielt, hat sich herumgesprochen. Viele Ärzte glauben aber, wenn das LDL-Cholesterin im guten Bereich unter 100 mg/dL sei, könne man die HDL-Werte vernachlässigen, klagte Dr. Philip Barter aus Sydney, Australien, auf dem 55. Jahreskongress des „American College of Cardiology“ (ACC).

Barter präsentierte neue Teildaten aus der TNT-Studie, an der 10.001 Patienten im Alter zwischen 35 und 75 Jahren teilnehmen. Randomisiert erhalten sie 60 mg Atorvastatin oder 10 mg Atorvastatin. Bislang konnte bei der Hälfte der Studienteilnehmer das LDL-Cholesterin auf unter 80 mg/dL gesenkt werden.

Während des rund 4,9-jährigen Nachbeobachtungszeitraums zeigte sich ein klarer negativer Zusammenhang zwischen dem HDL-Spiegel und einem ersten größeren kardiovaskulären Ereignis wie etwa tödlicher oder nicht-tödlicher Herzinfarkt oder Schlaganfall.

Steigt das HDL-Cholesterin um 1 mg/dL an, sinkt das Risiko eines kardiovaskulären Ereignisses um etwa zwei Prozent. Als man sich die Subpopulation jener Patienten ansah, deren LDL-Cholesterinwerte unter 80 mg/dL lagen, zeigte sich die gleiche inverse Korrelation zwischen HDL-Cholesterin und kardiovaskulären Ereignissen. Zum Beispiel ereilte zehn Prozent jener Probanden, deren HDL-Cholesterinwerte unter 38 mg/dL lagen ein kardiovaskuläres Ereignis. Bei jenen Probanden, deren Wert über 55 mg/dL lag traf dies nur fünf Prozent der Probanden.

Andere Wissenschaftler wiesen beim Jahreskongress darauf hin, dass auch andere Studien klar gezeigt hätten: Nur ein Teil jener Patienten, deren LDL-Cholesterin erfolgreich medikamentös gesenkt werden konnte, profitieren auch langfristig durch ein geringeres kardiovaskuläres Risiko. Folglich müsse es auch andere Faktoren geben. Wahrscheinlich das HDL-Cholesterin.

MEDICA.de; Quelle: American College of Cardiology 55th Annual Scientific Session Abstract 914-203