Der grippale Infekt wird durch Viren ausgelöst, die zu Erkältungswellen führen können. Solche Infektionen stellen eine große Bürde für das Gesundheitswesen dar und sie verursachen gewaltige indirekte Kosten, zum Beispiel durch Fehlzeiten am Arbeitsplatz. Zwar gibt es inzwischen Impfstoffe zumindest gegen die echte Grippe und auch verschiedene Wirkstoffe. Doch nach Ansicht vieler Epidemiologen reicht dies nicht aus, um Pandemien zu verhindern. Vielmehr muss die Infektionsprophylaxe verstärkt werden, zum Beispiel durch Händewaschen.

In einer großen Meta-Analyse haben Wissenschaftler jetzt untersucht, wie wirkungsvoll physikalische Maßnahmen sind, wenn es darum geht, Epidemien mit Viren des Respirationstraktes zu unterbinden.

Nur wenige der zahlreichen Studien, die die Arbeitsgruppe recherchieren konnte, genügten den hohen Anforderungen an das Studiendesign. Jene Untersuchungen auf hohem Niveau zeigten allerdings klar den Nutzen physikalischer Maßnahmen bei der Infektionsprophylaxe grippaler Infekte: Wer sich mindestens zehn Mal am Tag die Hände wäscht, senkt damit das Risiko, sich mit Grippe oder einem grippalen Infekt zu infizieren, um 55 Prozent. Ein Mundschutz kann das Risiko gar um 68 Prozent senken. Weniger wirkungsvoll sind offenbar Handschuhe: Sie senken das Risiko, sich zu infizieren um 57 Prozent und mit speziellen Kitteln sinkt das Risiko um 77 Prozent.

Einen nahezu totalen Schutz hat, wer sich die komplette Schutzvorrichtung gönnt: Mundschutz, Handschuhe, Kittel und häufiges Händewaschen zusammen senken das Risiko einer Infektion um mehr als 99 Prozent.

Ob es sich lohnt, beim Händewaschen spezielle antiseptische Waschzusätze zu benutzen, ist umstritten. Die Studienleiter sind sich aber sicher, das man auch durch „einfaches“ Händewaschen einer Grippewelle entgegenwirken kann.

MEDICA.de; Quelle: British Medical Journal 2008, Vol. 336, S. 77-80