Diabetes: Häufiger bei Kindern mit Migrationshintergrund

16.05.2013
Foto: Kinder

Laut einer neuen Studie der Universi-
tät Ulm betriff Diabetes Typ II Kinder und Jugendliche mit Migrationshinter-
grund besonders häufig;
© panthermedia.net/Anna Omelchenk

Eine aktuelle Studie der Universität Ulm über Diabetes vom Typ II bei Kindern und Jugendlichen zeigt unter anderem, dass junge Menschen mit Migrationshintergrund von dieser Stoffwechselkrankheit überdurchschnittlich stark betroffen sind.

Laut einer neuen Studie der Universität Ulm sind Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund von Diabetes Typ II besonders häufig betroffen. Ihr Anteil an erfassten Erkrankten war mit 40 Prozent mehr als doppelt so hoch wie der Anteil an der Gesamtbevölkerung. Insbesondere Kinder türkischer, osteuropäischer und russischer Abstammung litten überdurchschnittlich häufig daran. „Unser Ergebnis deckt sich auch mit Vergleichsstudien aus anderen Ländern. So sind es in den USA vor allem ethnische Minderheiten wie Indigene, Afroamerikaner, Lateinamerikaner und Asiaten, die an dieser übergewichtsbedingten Form der Insulinresistenz erkranken“, erläutert Doktor Wendy Awa vom Institut für Epidemiologie und medizinische Biometrie an der Universität Ulm. „Hier spielen wohl vor allem auch sozioökonomische Gründe eine Rolle“, vermutet die Wissenschaftlerin.

Die Humanbiologin hat die demografischen, biometrischen, klinischen, immunologischen und genetischen Daten von insgesamt 107 jungen Typ II-Diabetes-Patienten in Deutschland und Österreich auf statistische Zusammenhänge hin analysiert. Grundlage der deskriptiven Untersuchung war die sogenannte Diabetes-Patienten-Verlaufsdokumentation (DPV), deren Herzstück die Ulmer Kinder-Diabetes-Biobank (paedBMB) ist. Dort lagern neben den Patientendaten über 2000 Blut- und Serumproben aus rund 150 pädiatrischen Diabetes-Einrichtungen. Hinzugezogen wurde auch die sogenannte Adipositas Verlaufsdokumentation (APV), in der die medizinischen Daten von fettsüchtigen Kindern mit stark steigendem Blutzuckerspiegel erfasst waren.

Eine gesundheitlich bedenkliche Verknüpfung von Typ II-Diabetes mit anderen Krankheitsbildern zeigte sich vor allem bei den jungen männlichen Patienten. Anders als die Mädchen – die bezogen auf die untersuchte Gesamtheit der Patienten zwar die Mehrzahl der Diabetes-Typ II-Erkrankten stellten – litten die Jungs besonders häufig noch an Begleitkrankheiten wie Bluthochdruck oder krankhaft veränderten Blutfettwerten und mussten dementsprechend medikamentös behandelt werden. Weitaus weniger überraschend war die festgestellte Tatsache, dass ein Großteil der jungen Diabetes-Typ II-Patienten stark übergewichtig oder sogar adipös war. So gilt gerade die Fettsucht als eine der Hauptursachen für die Entstehung von so genanntem Altersdiabetes bei Kindern. „Ursächlich dafür ist nicht nur ein falsches Ernährungs- und Bewegungsverhalten“, erklärt Awa. Die studierte Biologin und Public-Health-Expertin weiter: „Die Ergebnisse der Studien weisen zudem auf eine familiäre Veranlagung hin, wobei uns insbesondere eine gewisse Vorprägung durch die Mutter auffiel.“ So waren deutlich mehr Mütter als Väter von adipösen Kindern ebenfalls stark übergewichtig oder adipös, und bei über 80 Prozent der Eltern beziehungsweise Großeltern war ebenfalls Diabetes festgestellt worden.

MEDICA.de; Quelle: Universität Ulm