Kolorektale Karzinome sind mit 15 Prozent aller bösartigen Tumorerkrankungen die dritthäufigste Todesursache in den Industrienationen Europas und der USA. Bei sechs von zehn Patienten treten nach der ersten Behandlung Metastasen in der Leber auf, die auch trotz Chemotherapie meist innerhalb weniger Jahre zum Tod führen.

Patienten mit kolorektalem Karzinom haben eine deutlich höhere Lebenserwartung, wenn sie nach der chirurgischen Entfernung von Lebermetastasen mit dem radioaktiv markierten Anti-CEA-Antikörper I131-Labetuzumab behandelt werden. Zu diesem Ergebnis kamen Mediziner in einer klinischen Phase II-Studie. Die Forscher untersuchten über fünf Jahre den Krankheitsverlauf und die Überlebensdauer von Patienten, die einmalig mit dem humanisierten monoklonalen Antikörper behandelt wurden (Radioimmuntherapie, RAIT), nachdem ihnen Lebermetastasen chirurgisch entfernt worden waren.

Von den 23 Patienten, die im Rahmen der klinischen Studie mit I131-Labetuzumab behandelt wurden, verblieben 19 Patienten dauerhaft in der Studie. Diese überlebten durchschnittlich 68 Monate und damit etwa doppelt so lange wie Patienten, die keine Radioimmuntherapie erhielten (31 Monate). Fünf Jahre nach der Radioimmuntherapie lebte die Hälfte der mit dem Antikörper behandelten Studienteilnehmer, während von den Patienten ohne RAIT-Behandlung etwa ein Drittel diesen Zeitraum überlebt hatte. Als häufigste Nebenwirkung traten vereinzelt vorübergehende Blutbildveränderungen auf.

Gegenwärtig führen die Wissenschaftler klinische Studien zu der wiederholten Gabe von I131-Labetuzumab bei Patienten mit kolorektalen Karzinomen durch. Ziel ist es, Kenntnisse über Nebenwirkungen und die Wirkung der wiederholten Radioimmuntherapie zu erhalten.

MEDICA.de; Quelle: Journal of Clinical Oncology 2005, Vol. 23, S. 6763-6770