Karzinome können direkt die Bildung von Thrombosen auslösen. Obwohl der Zusammenhang zwischen Thrombosen und Karzinomen bereits seit mehr als 100 Jahren bekannt ist, ist noch unklar wie beispielsweise Karzinome der Bauchspeicheldrüse Thrombosen in den Beinvenen auslösen können, einer weit vom Tumor entfernten Stelle. Ein Forschungsprojekt sucht nun nach neuen Antworten auf diese Frage - ausgehend von einer erst kürzlich entdeckten neuen Blutkomponente, den so genannten Mikropartikeln.

Mikropartikel sind kleine Abschnürungen der Zellmembran, die von Karzinomzellen, aber auch von gesunden Zellen gebildet werden können. Neuere Ergebnisse zeigen, dass Mikropartikel auch im Blut vorkommen. Bei Patienten mit Karzinomen sind die Mikropartikel-Spiegel im Blut erhöht oder die Partikel zeigen eine andere Zusammensetzung.

Die Forscher vermuten, dass die Tumore karzinomatöse Mikropartikel in die Blutbahn abgeben, wodurch die Partikel über den Blutkreislauf auch in die Beinvenen gelangen. Dort könnten sie direkt den Startprozess der Blutgerinnung in Gang setzen und damit zur Bildung von Thrombosen führen. Wie neue Untersuchungen zeigen, tragen die Mikropartikel tatsächlich ein Eiweiß, das die Blutgerinnung aktivieren kann.

Der menschliche Organismus kann Mikropartikel auch wieder aus dem Blutkreislauf entfernen. Dabei spielen wahrscheinlich spezialisierte Zellen des körpereigenen Abwehrsystems eine wichtige Rolle. Der Aufnahmeprozess erfordert, dass die Zellen des Abwehrsystems die von Karzinomen freigesetzten Mikropartikel von Mikropartikeln gesunder Zellen unterscheiden können und als gefährlich einstufen. Ein besseres Verständnis der Entstehung von Thrombosen durch Mikropartikel soll in einem späteren Stadium eine optimalere Diagnose und zielgenaue Behandlung der Karzinom-assoziierten Thrombose ermöglichen.

MEDICA.de; Quelle: Wilhelm Sander-Stiftung