Zu diesem Ergebnis kommt der Abschlussbericht des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hatte das IQWiG beauftragt, den Stand des Wissens zum Nutzen eines "Universellen Neugeborenen-Hörscreenings" aufzuarbeiten.

Ein abschließendes Urteil ist laut der Forscher nicht möglich. Zwar werden bei einem Neugeborenen-Hörscreening Hörstörungen im Durchschnitt früher erkannt und es gibt Hinweise, dass sich die Sprachentwicklung solcher Kinder verbessert. Allerdings bleibt unklar, wie sich eine frühere Diagnose zum Beispiel auf die spätere soziale oder schulische Situation auswirkt. Programme sollten deshalb so angelegt sein, dass ihre Qualität und ihre Konsequenzen für die Kinder verlässlich erfasst werden können.

Die Forscher stellten fest, dass hörgeschädigte Kinder, die an einem Screening teilgenommen haben, höhere Chancen auf eine normale Entwicklung ihrer sprachlichen Fähigkeiten zu haben scheinen als Kinder, deren Hörstörung außerhalb eines Früherkennungsprogramms und damit zumeist später diagnostiziert wird . Dafür gibt es Hinweise, aber keine Beweise.

Es fehlen zuverlässige Studien, die der Frage nachgegangen sind, wie sich ein Screening und die damit verbundene Vorverlegung des Diagnosezeitpunkts auf andere, aus Patientensicht wichtige Aspekte wie etwa Lebensqualität, psychische Gesundheit, schulische Entwicklung oder berufliche Situation auswirken können.

Die Recherche der IQWiG-Forscher zeigt auch, dass ein Nutzen nur dann erwartet werden kann, wenn ein Programm zur Früherkennung von angeborenen Hörstörungen strengen Qualitätsanforderungen genügt: Sie müssen sicherstellen, dass im Screening auffällige Kinder nachuntersucht und diagnostizierte Kinder mit behandlungsbedürftiger Hörstörung zeitnah versorgt werden.

MEDICA.de; Quelle: Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen