Bei Kindern ist eine Multiple Sklerose selten. Nur drei bis vier Prozent aller Fälle von Multipler Sklerose betreffen diesen Altersbereich. In den vergangenen Jahren hatte es Befürchtungen gegeben, eine Impfung gegen Hepatitis-B-Viren (HBV) könnte das Risiko einer Multiplen Sklerose im Kindes- und Jugendalter erhöhen. Zwar hatten einige Studien zu diesem Thema keinerlei Hinweise darauf erbracht. In einer Untersuchung dagegen war ein leicht erhöhtes Risiko für Multiple Sklerose innerhalb von drei Jahren nach der HBV-Impfung festgestellt worden.

Was ist nun richtig? Entwarnung kommt von einer aktuellen Fall-Kontroll-Studie aus Frankreich, die zwischen Januar 1994 und Dezember 2003 lief. Daran nahmen 143 Kinder teil, die vor dem 16. Lebensjahr erstmals an einer Multiplen Sklerose erkrankten. Die Daten kamen aus der „French Kid Sclérose en Plaques (KIDSEP) neuropediatric MS cohort“-Datenbank. 1.122 altersgleiche, aber gesunde Kinder dienten als Kontrollgruppe. In den drei Jahren, bevor die Probanden jeweils in die Studie aufgenommen wurden, hatten sich etwa 32 Prozent aller Kinder aus beiden Gruppen – den Kranken und den Gesunden – gegen HBV impfen lassen.

Daraus errechnete die französische Studiengruppe vom Assistance-publique-Hôpitaux de Paris, dem Service de Neurologie Pédiatrique, Hôpital Bicêtre und dem Institute National de la Santé et de la Recherche Médicale unter Leitung von Dr. Yann Mikaeloff, dass das Risiko einer Multiplen Sklerose nach einer HBV-Impfung statistisch nicht erhöht ist: das relative Risiko liegt bei 1,03.

Dieses Ergebnis war völlig unabhängig von der Anzahl der Injektionen oder dem verwendeten Impfstoff. Dies alles zeigt nach Ansicht der Studienleiter auch, wie schwierig es ist, mögliche Umweltfaktoren als Auslöser einer Multiplen Sklerose auszumachen: Wahrscheinlich gehören dazu Passivrauchen und Infektionen mit dem Epstein-Barr-Virus.

MEDICA.de; Quelle: Archives of Pediatrics & Adolescent Medicine 2007, Vol. 161, S. 1176-1182