HIV-Hemmstoff: Wirkung auf Krebs- und Immunkrankheiten

06.05.2015
Grafik: Weltkugel, Hände und Aidsschleife

Ein körpereigenes Peptid blockiert die Viren-Eintrittspforte und wichtigen Signalweg bei Krebs und Entzündungen; © panthermedia.net/ huhulin

Gemeinsam mit Forschern der Universität Ulm ist es der Arbeitsgruppe von Professor Dr. Dr. Wolf-Georg Forssmann von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) gelungen, ein körpereigenes Peptid zu finden, das die Infektion mit einem Subtypen von HIV-1 verhindert.

Es bindet an den Rezeptor CXCR4 auf der Zelloberfläche. Dieses Forschungsergebnis könnte die HIV-Therapie verbessern, aber auch die Behandlung von Krebserkrankungen, chronischen Entzündungen oder Asthma. Die Erkenntnisse, an denen auch zahlreiche weitere Arbeitsgruppen beteiligt waren, veröffentlichte die Fachzeitschrift Cell Reports.

Die Peptidbank von Forssmann, dessen Arbeitsgruppe zur MHH-Klinik für Immunologie und Rheumatologie gehört, enthält Peptide des menschlichen Blutes, die aus tausenden Litern Hämofiltrat stammen – einem Abfallprodukt der Blutwäsche. Darin befand sich das nun entdeckte Peptid. Der Zellrezeptor CXCR4, an den es bindet, beeinflusst wichtige Prozesse im menschlichen Körper – beispielsweise die Organentwicklung, die Immunantwort und die Blutbildung. Zudem ist er wichtig für die Einschleusung des AIDS-Erregers in die Immunzellen und somit ein Angriffspunkt für Wirkstoffe. "Ein derartig wichtiges Molekül ist seit langem nicht entdeckt worden: Die weitere Forschung kann ganz schnell zu Anwendungen und Fortschritten auf den Gebieten der Stammzelltherapie, der Immunerkrankungen sowie der malignen Tumoren führen", sagt Professor Dr. Reinhold E. Schmidt, Direktor der MHH-Klinik für Immunologie und Rheumatologie.

Die Wissenschaftler fanden auch heraus, dass Protein EPI-X4 ein Abbauprodukt des Eiweißmoleküls Albumin ist, dem häufigsten Protein im menschlichen Körper. Es könnte für die AIDS-Therapie bedeutsam sein. Zudem ermöglicht sein Auffinden, den Rezeptor gezielt auszuschalten, an den es bindet. Dieser spielt bei Krebs, chronischen Entzündungen, Herzkreislauferkrankungen und Immunschwäche eine Rolle. Das Protein eignet sich möglicherweise auch als Biomarker, sodass es bei der Diagnose helfen könnte, beispielsweise bei entzündlichen Nierenerkrankungen.

MEDICA.de; Quelle: Medizinische Hochschule Hannover

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