Die HIV-Pandemie ist nun fast genau 25 Jahre alt. In diesem Vierteljahrhundert haben sich das Wissen sowie die Therapiemöglichkeiten in Bezug auf diese Infektion gewaltig verändert. Vor diesem Hintergrund hat das „USA Panel of the International AIDS Society“ nun seine Leitlinien zur Therapie der HIV-Infektion erneut überarbeitet. Zuletzt waren die Leitlinien 2004 revidiert worden.

Hintergrund der aktuellen Überarbeitung ist unter anderem, dass die U.S. Food and Drug Administration (FDA) die Wirkstoffe Tipranavir und Darunavir zugelassen hat, die neue Therapieoptionen ermöglichen. Außerdem geht die Entwicklung hin zu Medikamenten als feste Kombination dreier Wirkstoffe. Fortschritte gibt es auch bei dem Versuch, wirkstoffsparende Therapiestrategien zu entwickeln, zum Beispiel durch überwachte Einnahmeunterbrechungen und bestimmte Monotherapien mit einem Proteasenhemmer.

Nach wie vor fordern die Leitlinien, eine Therapie dann zu beginnen, wenn die Infektion symptomatisch wird oder wenn die CD4+-Zellzahl unter 350/Mikroliter fällt. Die empfohlene First-Line-Therapie besteht aus zwei nukleosidalen Reverse-Transkriptase-Hemmern (NRTI) mit entweder einem nicht-nukleosidalen Reverse-Transkriptase-Hemmer (NNRTI) oder einem Proteasehemmer (PI), jeweils in Verbindung mit Ritonavir. Beide Wirkstoffkombinationen scheinen einander ebenbürtig zu sein.

Ziel der Therapie sollte sein, die Zahl der viralen RNA-Kopien binnen 16 bis 24 Wochen auf unter 50/mL zu senken. Falls sich der Verdacht auf eine Resistenz einstellt, sollte der genotypischen Testung gegenüber der phänotypischen Testung der Vorzug gegeben werden.

Hat ein Patienten Schwierigkeiten mit nur einem der drei Wirkstoffe, sollte nur der Wirkstoff ausgetauscht werden, anstatt die Therapie zu unterbrechen. Therapieunterbrechungen bergen immer das Risiko, dass Resistenzen entstehen.

MEDICA.de; Quelle: New England Journal of Medicine 2006, Vol. 296, S. 827-843