Hanns-Langendorf-Preis geht an Wolfgang Harms

Dr. Wolfgang Harms
© Uni Heidelberg

Dr. Harms, Oberarzt der Abteilung Radioonkologie und Strahlentherapie des Universitätsklinikums Heidelberg, konnte zeigen: Gepulste Kurzzeitbestrahlungen mit höheren Dosen sind ebenso effektiv und sicher wie kontinuierliche, niedrig dosierte Bestrahlungen aus naher Distanz. "Wir haben im Tierexperiment und in klinischen Langzeitstudien erstmalig nachgewiesen, dass die beiden Bestrahlungsformen ebenbürtig sind und späte Nebenwirkungen nicht häufiger auftreten", erklärt Harms.

Bei der Brachytherapie handelt es sich um eine Kurzdistanz-Bestrahlung: Radioaktive Mini-Strahler von etwa 1 mm Länge werden mit Hilfe von Hohlnadeln direkt in Tumoren implantiert oder sehr nahe an sie herangebracht. Da die Strahlendosis mit wachsendem Abstand zur Strahlenquelle stark abnimmt, wird das gesunde Gewebe geschont und der Tumor intensiv bestrahlt. Die Therapie wird vor allem bei lokal begrenzten Tumoren erfolgreich angewendet, beispielsweise bei Prostata-, Brust-, Speiseröhren- und Lungenkrebs.

Wie effektiv die Pulsed Dose Rate (PDR) Brachytherapie ist, konnten die Heidelberger Wissenschaftler jetzt in einer klinischen Studie, an der 113 Hochrisiko-Patientinnen mit Brustkrebs nach brusterhaltender Operation teilnahmen, zeigen: Der Tumor war nach 61 Monaten bei nur etwa 4 Prozent der Frauen lokal wieder aufgetreten. Hautentzündungen und Gefäßerweiterungen durch die Bestrahlung waren selten; 90 Prozent der Patientinnen beurteilten das kosmetische Ergebnis als gut oder sehr gut.

Auch eine zweite Studie hat die hohe Effektivität bei gleichzeitig niedriger Nebenwirkungsrate bestätigt: 58 Patientinnen mit erneut aufgetretenem Brustkrebs an der Brustwand nach bereits durchgeführter Operation, Chemo-/Hormontherapie und Bestrahlung konnten mit Hilfe der PDR Brachytherapie erneut bestrahlt werden. Die Ergebnisse waren sehr ermutigend, da bei etwa 70 Prozent der Patientinnen erneut eine komplette Tumorrückbildung erzielt wurde.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg