Der HbA1c-Wert gilt als klassischer Parameter für die Güte einer Diabetes-mellitus-Einstellung. Nun zeigen Wissenschaftler um Dr. Chin-Lin Tseng vom East Orange VA Medical Center, New Jersey, USA, dass offenbar auch externe Einflüsse die Höhe des HbA1c bestimmen. Und zwar in weit höherem Maße, als bislang angenommen.

An einer Studie, die zwischen Oktober 1998 und September 2000 unternommen wurde, nahmen 285.705 Diabetiker teil. Insgesamt wurden 856.181 HbA1c-Werte bestimmt. Die Studienleiter berechneten den durchschnittlichen monatlichen HbA1c-Wert für die gesamte Studienpopulation und für einige Subpopulationen gemäß Geschlecht, Alter, Einsatz von Insulin und der klimatischen Heimat des Untersuchten etc.

Es zeigte sich, dass die durchschnittlichen HbA1c-Werte im Winter signifikant höher sind als im Sommer, und zwar um 0.22. Auch der Anteil jener, die ständig Werte über 9 Prozent hatten, folgten diesem jahreszeitlichen Rhythmus. Dies galt auch für die anderen Subpopulationen: Unabhängig vom Alter, Geschlecht und dem Insulineinsatz gilt: Im Winter ist der HbA1c-Wert höher als im Sommer.

Unterschiede zeigten sich aber, als man die Wohnorte der Untersuchten analysierte. Dort, wo die Winter kälter sind, schwanken auch die HbA1c-Werte der Diabetiker stärker über das Jahr als in Gegenden mit ausgeglicheneren Jahrszeiten und damit milderen Wintern.

Natürlich hat das Ergebnis dieser Studie Auswirkungen: Die Qualität verschiedener Behandlungsprogramme für Diabetiker, auch in Deutschland, wird unter anderem am HbA1c-Wert gemessen. Auch epidemiologische Studien müssen die jahreszeitlichen Schwankungen dieses Wertes zukünftig stärker berücksichtigen. Und nicht zuletzt klinische Studien zur Beurteilung der Wirksamkeit bestimmter Antidiabetika.

MEDICA.de; Quelle: American Journal of Epidemiology 2005, Vol. 161, S. 565-574