Das Bauchfell wird bei der chronischen Bauchfelldialyse geschädigt, weil toxische Substanzen, die bei der Hitzesterilisation der Spülflüssigkeit aus den enthaltenen Zuckermolekülen entstehen, die Oberflächenzellen des Bauchfells in Mitleidenschaft ziehen, so dass diese schließlich ihre für die Dialyse erforderliche Filterfunktion nicht mehr ausüben können.

Für die Entdeckung dieses grundlegenden Mechanismus ist Dr. Vedat Schwenger, Leitender Oberarzt in der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg, mit dem Nils-Alwall-Preis 2006 der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie ausgezeichnet worden. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird jährlich für wegweisende Arbeiten im Bereich der Nierenersatztherapie vergeben und erinnert an den schwedischen Nephrologen Nils Alwall, einen der Pioniere der Blutwäsche.

Die Blutwäsche im Bauchraum (Peritonealdialyse) ist eine Alternative zur Blutwäsche durch die Maschine (Hämodialyse). Die Patienten lassen täglich über einen Katheter eine hochkonzentrierte, sterile Spülflüssigkeit in ihren Bauchraum, die durch Osmose dem gut durchbluteten Bauchfell die toxischen Abfallstoffe entzieht. Die Spülflüssigkeit wird nach wenigen Stunden wieder abgelassen. Diese Prozedur kann auch mit Hilfe einer Maschine nachts während des Schlafs vorgenommen werden. Limitierend für die Langzeitbehandlung ist die Tatsache, dass mit der Zeit die Reinigungsfunktion durch Gewebeschädigung des Bauchfells stark abnehmen kann.

Dies liegt, wie die Arbeiten von Dr. Schwenger gezeigt haben, daran, dass bei der Hitzsterilisation in der Dialysatlösung hochtoxische Abbauprodukte des reichlich enthaltenen Zuckers entstehen, die in sogenannte "advanced glycation end-products" (AGE's) umgewandelt werden. Diese binden wiederum an spezifische Rezeptoren (RAGE) in den Bauchfellzellen und setzen dadurch eine zerstörerische Kaskade in Gang. Die Heidelberger Wissenschaftler wiesen diesen Mechanismus an einem Mausmodell nach, dem die Gene für RAGE fehlten und die deshalb keine Schäden am Bauchfell aufwiesen.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg