Hepatitis-B-Erreger funktioniert wie Kamera-Blende

Das Nukleokapsid kann sich öffnen
(li.) und schließen (re.)
© Universität Heidelberg

Der Erreger der Leberentzündung weist laut den Forschern eine erstaunliche Flexibilität in seiner Genomkapsel - dem Nukleokapsid - auf, das die Erbsubstanz umschließt. Zusammen mit der Arbeitsgruppe von Dr. Bettina Böttcher vom Europäischen Molekularbiologie Labor (EMBL) in Heidelberg haben Dr. Urban und sein Mitarbeiter Stefan Seitz spezielle elektronenmikroskopische Aufnahmen des Virus zu einem dreidimensionalen Strukturmodell zusammengesetzt und festgestellt: Wie eine Kamera ihre Blende öffnen kann, so kann das Virus sein Nukleokapsid durchlässig machen.

Durch diese Poren werden vermutlich Gene freigesetzt die seine Vermehrung vorantreiben. Darüber hinaus haben die Heidelberger Wissenschaftler ein Peptid des Virus entdeckt, das seine Vermehrung hemmt und bereits im Tierversuch erfolgreich getestet wurde. Die Forscher hoffen, dass damit Grundlagen für die Entwicklung künftiger Wirksubstanzen gelegt sind, die eine Vermehrung der potentiell tödlichen Infektion verhindern könnte.

"Neue Erkenntnisse der Molekularbiologen sind keine Spielereien an der Laborbank, sondern wichtig für die rasche Entwicklung neuer Therapien, die wir dringend brauchen", sagte Professor Dr. Michael P. Manns, Ärztlicher Direktor der Abteilung Hepatologie/Gastroenterologie und Endokrinologie an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Denn die vier bislang zugelassenen Medikamente, die bei einer Hepatitis-B-Infektion das Fortschreiten der Erkrankung zur Leberzirrhose und zum bösartigen Lebertumor verhindern sollen, können nur bei etwa 40 Prozent der Patienten erfolgreich eingesetzt werden und haben zum Teil schwere Nebenwirkungen. Außerdem entwickeln - je nach Medikament - bis zu 70 Prozent der Patienten innerhalb von vier Jahren eine Resistenz gegen die Substanz.

MEDICA.de; Quelle: Universitätsklinikum Heidelberg