Herausforderung für Personal und Technik

Problemfall Übergewicht; © Hemera

In den USA hat nur noch jeder dritte Patient im Krankenhaus ein Normalgewicht. So schlimm ist es in Deutschland nicht, aber auch hier werden die Menschen immer dicker. 1999 waren zum Beispiel 56 Prozent der erwachsenen Männer und 40 Prozent der Frauen übergewichtig, 2005 waren es schon zwei Prozent mehr. Das heißt, dass deutschlandweit insgesamt neun Millionen Menschen übergewichtig sind, sie haben einen Body Mass Index von über 25.

Schwere Patienten werden zu einer echten Herausforderung für Ärzte und Kliniken. Krankenhäuser müssten aufrüsten, haben aber meist nicht die finanziellen Mittel. Allerdings planen Neubauten schon eine stark übergewichtige Klientel ein. So zieht die Uniklinik Hamburg-Eppendorf (UKE) zum Beispiel nächstes Jahr in einen Neubau um und rüstet bei dieser Gelegenheit ihre Operationssäle auf. Sind herkömmliche OP-Tische nur auf 150 Kilo zugelassen, verfügt das UKE künftig über 16 Tische mit einer Traglast von 250 Kilo. Einer von ihnen verkraftet sogar bis zu 500 Kilo.

Um Ärzte, Pflegekräfte und medizinische Geräte in Zukunft weniger zu belasten, brauchen Krankenhäuser eine spezille Ausstattung: Stabile Betten und Spezial-Operationstische, die unter großen Lasten nicht zusammenbrechen, überdimensionale CT- oder MRT-Geräte, in denen selbst gewaltige Bauchumfänge Platz finden, größere Manschetten zum Blutdruckmessen, spezielle motorgetriebene Hilfen, um die Patienten aus dem Bett zu heben und vieles mehr.

Aber nicht alle Krankenhäuser können sich diese Investitionen leisten. „Anschaffungen dieser Art sind einfach unglaublich kostspielig und lohnen sich wirtschaftlich für die Krankenhäuser nicht“, sagt Dr. Peter Fischer, Oberarzt im Eduardus Krankenhaus in Köln. Dieses Problem haben auch Firmen erkannt und so besteht zum Beispiel die Möglichkeit, XXL-Betten für eine bestimmte Zeit zu leasen. Im Eduardus Krankenhaus macht man von dieser Möglichkeit schon Gebrauch.

Aber auch die Mauern eines Krankenhauses ächzen unter einem stark erhöhten Gewicht. Bauliche Maßnahmen wären nötig, um extrem übergewichtigen Patienten gerecht zu werden. „Unsere Toiletten sind an den Wänden befestigt, 250 Kilo würden diese gar nicht tragen“, erklärt Fischer. Aber wer soll das bezahlen? Krankenhäuser bekämen vom jeweiligen Bundesland einen Tagessatz bezahlt, mit dem sie wirtschaften müssten. „Der Anteil des Landes muss erhöht werden, sonst sind die Spielräume der Krankenhäuser sehr begrenzt. Der Bedarfsplan deckt gerade einmal den alltäglichen Betrieb ab“, so Fischer. „Kleinere Anschaffungen wie größere Blutdruckmanschetten sind kein Problem, aber alleine ein XXL-Bett kostet mehrere tausend Euro.“


Die Probleme, die mit extrem übergewichtigen Patienten auf die Krankenhausausstattung zukommen, sind bekannt, aber extrem schwere Menschen noch eher die Ausnahme. „Alles bis 150 Kilo können wir ohne Probleme bewältigen. Fälle die darüber hinaus gehen, haben wir vielleicht zehn im Jahr“, erläutert Fischer. Und bei besonders schweren Fällen könne man mit einer Tierklinik und der Feuerwehr kooperieren. Fischer meint: „Noch muss man das Problem dicke Menschen relativieren. Das Verhältnis der Ausgaben für die extra Anschaffungen steht noch in keinem Verhältnis zu der Anzahl an Patienten, die diese auch nutzen. In Unikliniken mag das anders sein, aber in regulären Krankenhäusern sieht die Situation im Moment so aus. Aber uns ist allen klar, dass eine Veränderung auf Dauer unbedingt nötig ist.“

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