Herz-MRT: Sichere und preiswerte Diagnostik

21.01.2015
Foto: Ärztin sieht sich Aufnahmen des Brustkorbs an

Die Bedeutung der MRT in der Herzmedizin beruht auf ihren physikalischen Eigenschaften: räumliche Auflösung und Gewebekontrastierung erlauben einen guten Blick auf das Herz; ©panthermedia.net/ gpointstudio

Speziell qualifizierte Kardiologen sollen bundesweit MR-Untersuchungen durchführen dürfen.

"Die kardiale Magnetresonanztomographie (MRT) ist zu einem festen Bestandteil der kardialen Diagnostik in der Herz-Kreislaufmedizin geworden", so Prof. Hugo A. Katus, Vorsitzender der Weiter- und Fortbildungs-Akademie Kardiologie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK). "Mit einem neuen Weiterbildungscurriculum stellt die DGK sicher, dass diese Methode von Kardiologen auf höchstem Niveau eingesetzt werden kann."

Die Bedeutung, die die MRT in der Herzmedizin gewonnen hat, beruht auf ihren besonderen physikalischen Eigenschaften. Zum einen bietet die MRT eine gute räumliche Auflösung und Gewebekontrastierung und erlaubt so eine präzise Beurteilung der Morphologie des Herzens und der herznahen Gefäße sowie der Wandbewegung des Herzens. "Deshalb ist die MRT eine ideale Bildgebungsmodalität zur Beurteilung von Herzmuskelerkrankungen und angeborenen Fehlbildungen des Herzens", so Katus. "Zum zweiten kann durch Gabe von Kontrastmitteln das Ausmaß von Ödem und Bindegewebe im Herzmuskel beurteilt werden. Dies ist besonders hilfreich für die nicht-invasive Beurteilung der Herzinfarktgröße, der Erfassung von Entzündung bei der Myokarditis und zur Diagnose von Vernarbungen oder Fibrosierungen nach Herzinfarkt oder bei Kardiomyopathien. Zum dritten kann durch das MRT hervorragend die Durchblutung des Herzmuskels überprüft werden. Dies ist von großer Bedeutung für die Diagnostik und Lokalisation von Durchblutungsstörungen und für die Beurteilung der Vitalität des Herzmuskels. Beides sind entscheidende Variablen bei der Planung von Koronarinterventionen oder Bypass-Operationen." Die MRT ist nicht durch eine Anwendung von Röntgenstrahlen belastet, so dass auch wiederholte Untersuchungen durchgeführt werden können.

Die MRT-Bildgebung erfordert nicht nur Kenntnisse der MRT-Physik und -Methodik, sondern auch ein profundes Wissen über die Erscheinungsformen kardialer Erkrankungen, ihre Pathophysiologie und möglicher therapeutischer Optionen. "Um das volle Potential der kardialen MRT-Bildgebung auszuschöpfen, müssen also die erhobenen MRT-Daten zur Morphologie und Funktion immer im Kontext aller klinischen Befunde interpretiert und ihrer prognostischen Bedeutung beurteilt werden. Es ist also für die patientengerechte MRT-Durchführung und -Beurteilung unerlässlich, dass der MRT-Untersucher über fundierte Kenntnisse in allen Facetten der Herzkreislaufmedizin verfügt", betont Katus.

Die DGK hat in Anbetracht der gewachsenen Bedeutung der kardialen MRT-Untersuchungen ein Curriculum entwickelt, das die Voraussetzungen für eine fundierte MRT-Ausbildung von Kardiologen festlegt. In diesem Curriculum werden auch die zu erreichenden praktischen und theoretischen Wissensinhalte präzisiert, die ein Facharzt für Kardiologie vorweisen muss, um nach Meinung der Fachgesellschaft selbständig MRT-Untersuchungen durchführen und beurteilen zu können.

"Trotz der hohen Bedeutung der kardialen MRT-Diagnostik für die kardiologische Praxis und ihrer breiten Anwendung ist der Zugang zu dieser Methode für den Facharzt für Kardiologie erschwert", kritisiert Katus. "In der Weiterbildungsordnung der Ärztekammern zum Facharzt für Kardiologie wird das kardiale MRT nicht berücksichtigt. Auch gibt es große Unterschiede zwischen den Weiterbildungsordnungen der unterschiedlichen Landesärztekammern in Bezug auf die Möglichkeit zur weiteren Qualifizierung von Fachärzten für Kardiologie in dieser wichtigen Technik. Während in Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg beispielsweise eine Zusatzqualifikation für kardiales MRT durch Kardiologen geregelt ist, ist in Rheinland-Pfalz auch für interessierte Kardiologen eine solche Qualifizierung nicht möglich."

In Anbetracht der zunehmenden Verbreitung der kardialen MRT-Diagnostik müsse nach Auffassung der DGK das kardiale MRT zu einem integralen Bestandteil in der Weiterbildung zum Facharzt für Kardiologe werden. Die Durchführung der kardialen MRT-Diagnostik und ihre Beurteilung müssen für entsprechend zusatzqualifizierte Kardiologen bundesweit möglich werden, fordert Katus.

Aktuelle Studien zeigen, dass der Einsatz von MRT in der Kardiologie nicht nur besonders zweckmäßig, sondern zudem auch kosteneffektiv ist. Die Auswertung einer deutschen Kohorte mit einer Beobachtungszeit von mehr als sieben Jahren ergab, dass Patienten, bei denen mittels MRT entschieden wurde, ob eine Untersuchung mit dem Herzkatheter (Koronarangiographie) erforderlich ist oder nicht, kein höheres Sterbe-Risiko hatten als Patienten, bei denen die Katheter-Untersuchung sozusagen sicherheitshalber durchgeführt wurde. In die Studie wurden mehr als 1.000 Patienten aufgenommen, die in den Jahren 2003 und 2004 am Deutschen Herzzentrum Berlin wegen Verdacht auf koronare Herzerkrankung (KHK) eine Koronar-Angiographie bekommen sollten. Bei einem Teil dieser Patienten wurde zuvor mittels MRT überprüft, ob die Angiographie überhaupt erforderlich ist. Nach einer Beobachtungszeit von fast acht Jahren zeigte sich hinsichtlich des Überlebens kein Nachteil durch diese Vorselektion. Patienten, die eine Herz-MRT erhielten, hatten kein höheres Risiko zu versterben. Dafür wurde jedoch die Zahl der Katheter-Untersuchungen deutlich reduziert. Nicht zuletzt war auch die Kostenersparnis durch Einsatz der MRT erheblich. Die Kosten wurden sowohl während des Krankenhausaufenthalts als auch danach reduziert. Insgesamt belief sich die Kostensenkung durch eine Stress-MRT des Herzens als "Gate-Keeper" auf 12.466 Euro pro Lebensjahr.

MEDICA.de; Quelle: Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung e.V.