Herzinfarkt ist eine Arbeiterkrankheit

Angst um den Arbeitsplatz ist
gefährlicher für das Herz als
Staub und Lärm; © PixelQuelle.de

Jeder weiß: Der Herzinfarkt ist eine typische Managerkrankheit. "Stimmt nicht", sagt Prof. Dr. Johannes Siegrist, der Leiter des Instituts für Medizinische Soziologie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Je niedriger die soziale Stellung, desto höher das Infarktrisiko.

Steht ein Mensch unter Stress werden Stresshormone wie Adrenalin ausgeschüttet. Sind diese ständig in sehr hoher Konzentration im Blut vorhanden, so wird auch der Fettstoffwechsel beeinflusst, das Blut wird zähflüssiger, der Blutdruck steigt und damit auch das Infarktrisiko.

Mit Stressbelastung ist allerdings nicht einfach ein ab und zu hektischer Alltag gemeint. „Sondern zum Beispiel eine langfristig starke Arbeitsbelastung unter unsicheren, als bedrohlich empfundenen Rahmenbedingungen", erklärt Siegrist. Auch die fehlende Anerkennung, begrenzte Aufstiegschancen und eine inadäquate Entlohnung beeinflussen das Stressempfinden und damit das Infarktrisiko.

Stress wird in den unteren sozialen Schichten häufig auch deshalb besonders stark empfunden, weil der Ausgleich fehlt. Das Wissen um Entspannungstechniken, die Möglichkeit, sich durch den Besuch kultureller Veranstaltungen vom Arbeitsalltag zu lösen oder draußen Sport zu treiben, ist häufig kaum vorhanden. Hinzu kommt ein gesundheitsschädlicher Lebensstil mit Rauchen, schlechter Ernährung und mangelnder Gewichtskontrolle.

Menschen mit deutlichem Arbeitsstress haben ein doppelt so hohes Risiko, an einem Herzinfarkt zu erkranken. Das heißt, dass in einem Zeitraum von zehn Jahren etwa sechs Prozent der 40 - bis 65jährigen Männer unterer sozialer Schichten an einem Herzinfarkt erkranken oder sterben, aber nur drei Prozent der Männer in Führungspositionen.

MEDICA.de; Quelle: Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf